„Fokussierung auf Marke TOM TAILOR richtig“

Gastkommentar

Alexander Langhorst ©GSC Research

Alexander Langhorst ist Analyst bei GSC Research in Düsseldorf. Er bewertet die Übernahme durch FOSUN und die Einigung über einen Brückenkredit positiv. Langhorst erwartet nennenswerte Maßnahmen auf der Eigenkapitalseite.

„Weiterhin warten muss der Kapitalmarkt auf den Vollzug des im März 2019 angekündigten Verkaufs der auf Frauenmode ab 50 spezialisierten Tochter BONITA an die niederländische Victory & Dreams International Holding. BONITA war in 2012 übernommen worden und hatte in den vergangenen Jahren angesichts des anhaltend schwierigen Umfeldes im stationären Handel immer zu kämpfen und konnte die Erwartungen, die beim Erwerb damit verbunden wurden, letztlich nicht erfüllen. Per Ende Mai 2019 hat TOM TAILOR allerdings melden müssen, dass die finanzierenden Konsortialbanken dem Verkauf nicht zustimmen und dieser daher zunächst nicht vollzogen werden kann. Nach Einschätzung von GSC Research liegt das Hauptproblem in den massiven bilanziellen Effekten durch die geplante Veräußerung. Hier hatte TOM TAILOR selbst einen Abschreibungsbedarf des Buchwertes von 184 Millionen Euro gemeldet. Diese führen im Vollzugsfall zu einer entsprechenden Reduktion der Eigenkapitalposition.

Bilanziell dürften sich neben diesem Faktor zugleich auch noch die möglichen Effekte aus den Änderungen bei IFRS 16 – der Bilanzierung von Verpflichtungen aus Mietverträgen – ergeben. Demnach ist es seit 1. Januar 2019 vorgeschrieben, bestehende Mietverträge mit den entsprechenden Barwerten der jeweiligen Verträge in der Bilanz abzubilden. Hierdurch kommt es zu einer entsprechenden Ausweitung des Bilanzvolumens und tendenziell weiterhin sinkenden Eigenkapitalquoten insbesondere bei mietvertragsintensiven Filialkonzepten.

Positiv zu werten ist, dass sich das TOM-TAILOR-Management mit dem Großaktionär FOSUN, der inzwischen seine Beteiligung auf rund 77 Prozent aufgestockt hat, und den Banken auf eine Brückenfinanzierung mit einer Laufzeit bis Mitte August einigen konnte. Neben den 18,5 Millionen Euro von FOSUN stunden die Banken eine fällige Regeltilgung über 7,5 Millionen Euro aus dem laufenden Konsortialkredit und räumen eine Akkreditivkreditlinie über 30 Millionen Euro für Warenbestellungen ein. Entscheidend wird nun sein, dass es gelingt, im Anschluss daran eine dauerhafte Finanzierungsstruktur zu vereinbaren. Hierbei muss nach Einschätzung von GSC Research auch eine ,Lösung‘ für den noch ,schwebenden Verkauf‘ von BONITA gefunden werden, da die angekündigte und eingeleitete Strategie zur Fokussierung auf die Marke TOM TAILOR und die Trennung von BONITA weiterhin als richtig erachtet werden.

Für den gesunden Kern des TOM-TAILOR-Geschäfts spricht, dass dort auch im schwierigen Jahr 2018 ein positives EBITDA von rund 70 Millionen Euro und ein positiver operativer Cashflow von 50 Millionen Euro erzielt wurden. Mit den eingeleiteten Schritten sollten sich auch Fortschritte im Kampf gegen die weiterhin sinkenden Kundenfrequenzen im stationären Handel einstellen. Derzeit sollten die Investoren die weitere Entwicklung allerdings von der ‚Seitenlinie‘ aus beobachten, bis Klarheit über die zu ergreifenden Maßnahmen besteht. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass hier auch mit nennenswerten Maßnahmen auf der Eigenkapitalseite zu rechnen ist, ohne dass deren Ausgestaltung bereits jetzt absehbar ist. Angesichts des weiterhin eher schwierigen Branchenumfeldes wird auch auf ein Anlagevotum verzichtet.“