Berlin liefert

Premium Group

Es kann losgehen in Berlin ©Offblende

Autor: Markus Oess
Der Auftritt der Veranstaltungen der PREMIUM GROUP nach ihrer Rückkehr in die Hauptstadt wurde mit Spannung erwartet. Passt das Ausstellerportfolio? Kommen genug Fachhändler, wie wird die Messe laufen? Nun liegt die Premiere hinter uns und es lässt sich feststellen: Es war ein gutes erstes Mal.

Rodeo-Ritt Berlin. Anita Tillmann und Jörg Arntz, die Geschäftsführer der Premium Group ©Offenblende/Clemens Porikys

Für Anita Tillmann, Chefin der PREMIUM GROUP, war der Restart in Berlin ein ganz schöner Rodeo-Ritt“. Die Berliner haben zum Neustart zwei B2B-Messen (PREMIUM und SEEK) und ein D2C-Festival (THE GROUND) auf die Beine gestellt. Dazu noch drei Konferenzen, Partys, Dinners und Empfänge. „Und das, während die Pandemie weiterhin in vollem Gange ist – mal abgesehen von Regen und Flugchaos. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr Besucherinnen und Besucher gekommen wären, aber der Restart war insgesamt sehr viel besser als erwartet. Es war definitiv eine Ansage“, sagt Tillmann. Zum ersten Mal haben die Berliner auch rund 25 internationale Einkäufer eingeladen und bringen diese proaktiv mit den Ausstellern zusammen. Neu ist auch, dass die Veranstaltungen der PREMIUM GROUP und die BERLIN FASHION WEEK mit der kommenden Januar-Ausgabe wieder zeitgleich stattfinden werden. Läuft also in Berlin. Die Resonanz auf die Messen unterm Funkturm ist gut und die Stimmung auf den Ständen ziemlich aufgeräumt. Der Andrang am Donnerstagmorgen war groß. Die Besuchendenzahl des Restart-Events liegt bei circa 70 Prozent im Vergleich zu vor Corona. „Zufriedenstellend, aber durchaus optimierbar“, heißt es dazu aus Berlin.

Die Aussteller jedenfalls blicken positiv auf die drei Tage. Keiner hatte einen Massenansturm erwartet, wohl aber einen guten Aufschlag und das, so der Tenor, sei gelungen. „Wir sind hier“, sagt ALBERTO-Chef Marco Lanowy. Wichtig ist der persönliche Austausch. Gute Besucher, gute Gespräche.“ Ein Aspekt, der immer wieder auch von anderen Marken angesprochen wird. Für Gerhard Kränzle, Chef des Hosenspezialisten HILTL, ist der zentrale Punkt, endlich wieder auf einem Forum mit Händlern zusammenzukommen, um den Weg nach vorne zu bestimmen. „Wer nach hinten blickt, verdient kein Geld“, sagt er. Für HILTL habe sich die Berliner Präsenz in jedem Fall gelohnt. Wir haben Neukunden getroffen und wir sind wieder im Gespräch, nachdem wir bekannt gemacht hatten, bald ein Drittel der Produktion wieder nach Deutschland zu holen.“ Kein Ort sei besser geeignet, um die Veränderungen, die Arbeit an der Kollektion zu präsentieren, als eine Messe. Das sagt auch Marino Edelmann. Der Chef der HOLY-Marke STRELLSON misst der Messe besondere Bedeutung zu, denn „endlich können wir zeigen, woran wir die letzten zweieinhalb Jahre gearbeitet haben“. Edelmann spielt die gute Stimmung im Handel in die Hände, der Nachholbedarf bei der Konfektion. Aber beides, Sportswear und Konfektion, seien bei den Händlern wirklich positiv aufgenommen worden. Birgit Stolz, Head of Design Donna, hätte sich hingegen noch mehr Frequenz an ihrem Stand gewünscht. Der FIL-NOIR-Stand befand sich weiter hinten. Aber auch sie sagt, dass Dinge erst einmal wieder anlaufen müssen. „Luft nach oben gibt es immer.“

Dabei sein zählt

Lür Holler verantwortet das internationale Geschäft von pierre cardin. Er sagt: Am ersten Tag war die Resonanz gut und neben den großen deutschen Händlern konnten wir auch internationales Publikum auf unserem Stand begrüßen, vor allem aus Benelux und der Schweiz.“ Generell sei festzustellen, dass die Messemacher bemüht waren, den Durchfluss in allen Hallen aufrechtzuerhalten. pierre cardin sei im Markenauftritt wieder ruhiger geworden und mit dem neuen CI stünden noch mehr die Marke und ihre französische Heritage im Vordergrund. Mit dem Anspruch eines Vollsortimenters spiegelt der Messestand auch den künftigen Auftritt auf der Fläche wider: das Maison pierre cardin. Die Marke soll spätestens Ende 2023 wieder auf das Niveau von 2019 kommen. Die zweite ahlers-Marke auf der Messe, PIONEER, setzt voll auf das Markenstatement „PIONEERS OF TOMORROW“ und rückt die neue gleichnamige Kapsel in den Mittelpunkt des Auftritts. Peter Kelzenberg, Geschäftsführer des Labels, und sein Produktchef Martin Verma wollen mit der Kapsel oben anbauen, gleichzeitig aber Eckpreislagen möglichst halten und PIONEER als Produkt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt weiter profilieren und modernisieren. Für diesen Zweck, sagen beide einhellig, sei die Messe der richtige Ort. Die Schuhmarke Sioux wollte mit dem Auftritt Modehändler ansprechen. „Der erste Tag war stark. Jetzt ist es zwar etwas ruhiger, aber wir sind froh, hier zu sein“, sagt Reiner Pfeiffer, Leiter Marketing/PR, am Nachmittag des zweiten Messetages.

Alex Ibakasap, CEO von LERROS, wertet die Messe ebenfalls als Erfolg. „Gestern hatten wir wirklich gute Gespräche. Die Qualität der Besucher stimmt. Ich bin sehr zufrieden und es war die richtige Entscheidung, nach zwei Jahren erzwungener Abwesenheit zur PREMIUM zurückzukehren. Die Kollektion wird gut besprochen, noch wichtiger ist mir allerdings, dass das wieder im direkten Austausch passiert. Wir liegen aufgelaufen zweistellig über 2019 und ich gehe positiv in die Order“, sagt der Manager. OLYMP-Chef Mark Bezner ist mit größerem Gepäck angereist und zeigt gleich OLYMP und OLYMP SIGNATURE. Für ihn ist klar: So viele Freischüsse hat die Branche nicht, nach dem Lockdown wieder eine deutsche Messe anzuschieben. Er habe sich eine noch stärkere Beteiligung seiner Industriekollegen gewünscht, hoffe aber, dass der gute Verlauf der Auftaktveranstaltung weitere Marken überzeugen werde, dann im Januar zur Winterausgabe mitzuziehen. Die Geschäfte für die Schwaben gehen dank der Wiederbelebung des Anzuggeschäftes deutlich nach oben. Besonders Hemden mit einem Zusatznutzen und besonderen Tragekomfort laufen gut. Dennoch wird Bezner von der grundsätzlichen Ausrichtung und mit der Programmerweiterung in Richtung Casual nicht abweichen. Und: Das Thema Nachhaltigkeit rückt weiter in den Mittelpunkt des Unternehmens. So wird es im Herbst einen neuen Markenbotschafter geben, der sich genau mit dieser Thematik proaktiv auch in Bietigheim einbringen wird. Création Gross war mit CARL GROSS angereist. Geschäftsführer Ralph Böhm und Marken-Chef Thorsten Grönlund sehen die Messeteilnahme auf der einen Seite als ganz normales Business, wenn es um die Präsentation der neuen Kollektion geht. Es sei aber auch ein Invest in die Zukunft, denn es sei schwer vorstellbar, dass ausgerechnet der wichtige Heimatmarkt keine Messe mehr auf die Beine bringe.

Statement für Berlin

Marco Götz will mit der Präsenz von DRYKORN ein Statement geben, für Berlin und für die Messen. „Wir haben drei gute Tage erlebt“, sagt der Firmenchef. Für ihn sei die SEEK die Gelegenheit, die Marke und die Kollektion zu zeigen, vor allem aber, wieder persönlich mit Händlern zu sprechen, sich auszutauschen. Dabei gehe es weniger um das Geschäft und die Klärung von irgendwelchen Einzelabsprachen als vielmehr ums Zwischenmenschliche, das in der Pandemie nicht mehr stattfinden konnte. Der persönliche Kontakt ist auch für Wolfgang Müller aus Weiden wichtig, der mit seinem Premium-Label TOM RIPLEY angereist ist. Aber: „Wir wollen Messe, wir wollen Geschäft machen und wir wollen natürlich auch Neukunden auf der PREMIUM gewinnen.“ Müller und sein Vertriebschef Menswear sprechen von einem sehr guten Event mit vielen neuen Kontakten, der nun Schritt für Schritt aufgebaut werden müsse.

So sieht es die Messe

  • alle Bilder ©Offenblende

Auch vonseiten der Händler kommt Zustimmung: Christian Greiner, Chef von LUDWIG BECK und Eigentümer von WÖHRL, findet die Messe ansprechend. Es sei positiv zu bewerten, dass die PREMIUM GROUP und ihre Aussteller in Vorleistung gegangen seien und diese Messe organisiert hätten. Das sagt auch unitex-Chef Gerhard Albrecht. „Als alter Handelsmann habe ich ein Faible für Messen. Nirgends sonst haben Sie die Gelegenheit, sich in so kurzer Zeit mit so vielen Entscheidern auszutauschen. Sehr gut finde ich, dass nun alle Veranstaltungen in einer Location stattfinden und uns die langen Anfahrten innerhalb Berlins erspart bleiben. Sicher kann man immer vieles besser machen, aber höher, weiter und schneller geht bekanntlich immer. Ich bin sehr froh, dass die Messe wieder in der Hauptstadt stattfindet. Mein Kompliment an die PREMIUM GROUP.“ Von Seiten der Katag AG kommt gleichfalls ein Lob. „Es ist wichtig, dass es überhaupt eine Messe in Deutschland gibt, an der alle Marktteilnehmer partizipieren können. Ich freue mich daher, jetzt hier in Berlin sein zu dürfen. Der persönliche Austausch ist nicht zu ersetzen. Mein Dank an die Premium Group und die Aussteller für diese Messen“, sagt Katag-Chef Dr. Daniel Terberger gegenüber FT. Von der EK und den Platzhirschen waren ebenso positive Aussagen zu vernehmen, mit dem Tenor, dass diese erste Messeausgabe unterm Funkturm ein guter Aufschlag war, um weiterzumachen. Zu den Fachbesuchern zählten unter anderem auch ALL-U-RE (Sofia), ANTONIOLI (Mailand), asos (London), BRAUNEIS (Frankfurt am Main), breuninger (Stuttgart), El Corte Inglés (Madrid), FIRMAMENT (Berlin) und snipes (Köln).

Mit den Konferenzen FASHIONTECH, CONSCIOUS CLUB Conference und THE GROUND Talks brachte die PREMIUM GROUP zusätzliche Kommunikations- und Edutainment-Angebote. „Wichtige Themen wie Diversity, Wellbeing, Metaverse und Nachhaltigkeit wurden besprochen und relevante Learnings für Markt, Marken und Konsumentinnen sowie Konsumenten abgeleitet“, so die Berliner. Mit der Premiere des Festivals für Style & Culture, THE GROUND, waren zum ersten Mal auch junge Konsumentinnen und Konsumenten wie auch Berliner Communitys aus Gen Z und Gen Y Teil der Veranstaltungswelt der Berliner. Knapp 6.000 Fashion-Enthusiastinnen und Fachbesucher kamen nach Unternehmensangaben bei THE GROUND zusammen. Im Fokus stand, wie Brands die junge Kundschaft erreichen, mit ihr kommunizieren und Vertrauen aufbauen können. DRYKORN-Chef Götz sieht das Festival auch unabhängig vom B2B-Part. „Ich hätte auch ohne die B2B-Messen mitgemacht“, sagt er.

„Wir sind froh, dass wir nach zweieinhalb Jahren die gesamte Branche zusammengebracht haben. Es war zwar nicht alles perfekt, aber es ist eine super Basis für die nächsten Saisons gelegt. Das sehen auch die Partnerinnen und Partner so, ebenso wie die Brands. Die Stimmen sind durchweg positiv. Es hat sich gezeigt, dass die Branche eine Plattform benötigt, um sich zu informieren, zu connecten, inspirieren zu lassen, persönlich zu treffen und um Neues zu sehen. Berlin ist gesetzt und wir freuen uns auf Januar und 20 Jahre PREMIUM“, bilanziert Jörg Arntz, Managing Director PREMIUM GROUP.

So sieht es FT

  • alle Bilder ©FT