Krawatte! Krawatte?

VUP

Seine Erfinderin, die Schweizerin Evelin Stefano, hätte gerne, dass das VUP zum Gattungsbegriff wird für eine Mischung aus Krawatte, Tuch und Schal.

Autor: Markus Oess
VUP, schon mal gehört? Unwahrscheinlich, denn hinter dem Akronym verbirgt sich ein neues Accessoire, das die Krawatte ersetzen soll. Seine Erfinderin, die Schweizerin Evelin Stefano, hätte gerne, dass die drei Buchstaben, die für Very Unique People stehen, zum Gattungsbegriff werden für eine Mischung aus Krawatte, Tuch und Schal.

„Ein wirklich neues Accessoire, das multifunktional ist, einfach zu tragen und waschbar.“  Evelin Stefano ©remoneuhaus.com

Evelin Stefano hat eine Lehre im Einzelhandel absolviert und war als Verkäuferin im Modehandel tätig. Verkauft hat sie alle Segmente, also Mens- und Womenswear und auch Kiko. Kurz nach der Ausbildung 2005 machte sie sich im Bereich Event und Marketing selbstständig mit der Bim Bam Bino AG, die sie noch heute nebenbei betreibt. 2016 kehrte sie in die Modebranche zurück und sattelte auf Farb- und Mode-Stilberatung/Personal Shopping um. Sie kennt sich also aus mit der Fashion. „Ich komme aus der Mode und mir macht die Branche einen Riesenspaß. Ich habe mir oft überlegt, wie man den Trend weg von der Krawatte stoppen könnte oder besser gesagt, welche Alternativen es zur Krawatte geben könnte. Kurzum, ich will die Krawatte mit dem VUP nicht nur erneuern, sondern sie neu erfinden“, sagt Stefano.

2019 startete sie ihr neues Start-up mit VUP Fashion AG und dem VUP (kurz für Very Unique People). Das VUP ist ein Unisex-Teil. Handwerklich entsteht das VUP aus dem normalen Krawattenprozess, auf die bei Krawatten üblichen Einlagen verzichtet die Schweizerin. „Ich wollte ein wirklich neues Accessoire kreieren, das multifunktional ist, einfach zu tragen und waschbar. Mit dem VUP ist mir das gelungen. Ich habe mir die Marke auch international schützen lassen, bevor ich das VUP lanciert habe. Das war übrigens am 18. Oktober 2019 am Welttag der Krawatte“, erklärt Stefano. Die VUPs können auf verschiedene Weise getragen und eingesetzt werden: Das große My VUP, gebunden im Stil einer Krawatte, als Plastron oder als Schal. Das kleine Mini-VUP als Fliege, Foulard oder als Einstecktuck. Die VUPs werden aktuell in Italien produziert und im Premium-/Luxusbereich verkauft. Die Rohware für die Selection Line kommt aus Italien, die anderen Stoffe für die Premium aus Deutschland. „Für mich ist das VUP das Accessoire schlechthin, denn es bietet eine Vielzahl von Trage- und Einsatzmöglichkeiten und Stoffkombinationen, sodass es individuell zu jedem Stil passt“, sagt Stefano.

„Das Accessoire schlechthin“, sagt Evelin Stefano 

Aktuell gibt es zwei Varianten. Das kleine Mini-VUP, bestehend aus zwei Einzelteilen, die mit einem Knoten verbunden werden oder mit einer Schnalle einzeln getragen werden. Kostenpunkt 115 Schweizer Franken (Premium aus den üblichen Stoffen) oder 135 Schweizer Franken (Selection-Ware aus Seide, Wolle oder Ähnlichem). Das große My VUP kostet 195 Schweizer Franken, in der Selection-Variante 275 Schweizer Franken. Außerdem gibt es limitierte Teile, die unter anderem aus CIRCULAR-FABRIC-STANDARD-Stoffen entstehen. Stoffe, die aus Überproduktionen und Beständen renommierter Marken stammen . Hier kosten die Mini-VUPs ab 205 Schweizer Franken und die My VUPs ab 295 Schweizer Franken (unter anderem Strick, veganes Leder, Samt). Die Schweizerin vermarktet die VUPs im Direktvertrieb selbst und will, dass der Name zum Gattungsbegriff in der Branche wird. Das Unternehmen finanziert sie mit eigenen Mitteln. Inzwischen konnte sie einen Großauftrag hereinholen. Die Raiffeisenbank in St. Gallen  hat über 1.000 VUPs geordert. Nun sucht Stefano gezielt Lizenznehmer, die das international geschützte  Produkt in eigener Regie designen und vermarkten. Dabei spielt für sie die Preispositionierung keine Rolle, denkbar wäre es auch, Preiseinstiegs- oder Mittelpreislagen zu besetzen, das kommt auf den Lizenznehmer an.

„Ich hatte die Gelegenheit, mit Daniel Grieder zu sprechen, damals war er gerade auf dem Sprung zu HUGO BOSS als CEO. Er war wirklich hellauf begeistert und hat mir zugeredet, das VUP unbedingt auf den Markt zu bringen“, wirbt sie für ihr Produkt. „Noch habe ich keinen Lizenznehmer gefunden. Aber ich bin da guter Dinge. Jetzt fahre ich erst einmal zur Pitti Uomo, um noch etwas tiefer in die Menswear zu schnuppern.“ Aufgrund der Neuheit und der vielen Tragemöglichkeiten ist es noch ein beratungsbedürftiges Produkt. Dazu hat Stefano unter anderem auch Erklärvideos produziert: Im Verkaufsgespräch sind die Reaktionen der Endkundinnen und -kunden immer sehr positiv und die Leute kaufen das VUP.“ Ein Kunde habe gleich drei davon mitgenommen.

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