Warum wir optimistisch bleiben sollten

Markus Oess

Kommt jetzt die große Insolvenzwelle, die alle Kranken aus dem Markt spült? Wohl kaum. Seit gut einem Jahr gilt wieder die Insolvenzantragspflicht und bislang ist das große Unternehmenssterben ausgeblieben. Aber schönreden gilt auch nicht. Viele Firmen haben ihre Reserven aufgebraucht und der Modekonsum ist nicht eben in allerbester Verfassung. Dazu kommen immer noch altbekannte strukturelle Probleme in einem Markt, in dem viel zu viel Ware unterwegs ist. Und klar, die Vertikalen sind immer noch vorn, wenn es um Prozesse, Leadtimes und damit auch Produktinnovationen geht, sagt Frank Ganzasch von h + p hachmeister + partner. Er stellt aber fest, dass die klassische deutsche Bekleidungsindustrie aufholt. Sie investiert in Marke und Produktinnovationen genauso wie in Digitalisierung und die bessere Verzahnung mit dem Handel. Und das ist angesichts vorhandener struktureller Probleme der stationären Absatzkanäle richtig und wichtig. Die Industrie stärkt die eigene Zukunftsfähigkeit, aber auch die der Wholesalepartner, wenn die wiederum mit guten Produkten und mit funktionierenden Prozessen, gut mit den Lieferanten verzahnt, den Kunden dort bedienen können, wo er eben gerade einkaufen will, sei es im Laden, im Internet oder via Social Media. Der zweistufige Handel ist sicher kein Auslaufmodell, muss sich aber verschlanken und modernisieren, sagt auch Stephan Fetsch, Head of Retail und Head of Consumer Goods bei KPMG, Köln, im FT-Gespräch über die Perspektiven des Modefachhandels. Die Zukunft bietet Chancen, nutze sie! Das gilt ganz besonders für die Nachhaltigkeit, die zum kritischen Faktor werden wird und wohl schneller, als noch vor wenigen Jahren vermutet. Mit TOMO ist ein Konzept im niederländischen Den Haag an den Start gegangen, das den Beweis antreten will, dass sich ähnlich wie im Foodhandel faire Handelskonzepte etablieren lassen, die auch wirtschaftlich profitabel arbeiten und sich filialisieren lassen. Bemerkenswert gut, finde ich. Es ist genau die Bereitschaft zur Innovation, die Marilyn Repp in ihrem Trendradar einfordert, als fester Bestandteil der Unternehmenskultur.

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Sind, nebenbei bemerkt, die Spezialisten den Generalisten im Markt unterlegen, weil sie gleich mit einer Lungenentzündung umgehauen werden, wenn das Segment der Wahl kränkelt? So etwa wie die Anlassmode im Lockdown? Mitnichten, es geht auch anders. ALBERTO-Chef Marco Lanowy setzt als Spezialist auf die Partnerschaft mit seinen Lieferanten wie mit dem Wholesale. Er sieht sein Unternehmen gut aufgestellt und in der Nische Pants fein ausdifferenziert, aber noch mit ausreichend Wachstumschancen ausgestattet, dass er auch im Jahr 1 nach 100 mit dem nötigen Optimismus nach vorn schauen kann. Auch BLAUMANN kann sich mit Fug und Recht Spezialist nennen. Guido Wetzels, zusammen mit Christian Hampel Betreiber von BLAUMANN JEANSHOSEN, betont dabei, wie wichtig es ist, sich genauso in den Details auszukennen wie im Großen, zu wissen, worum es geht. BLAUMANN produziert ausschließlich in Deutschland. Das hat seinen Preis, zeigt aber, dass es geht – allen Problemen wie Fachkräftemangel oder Kostenexplosion zum Trotz. „Wir sind sicher ein Label von Spezialisten, aber nicht für Spezialisten. BLAUMANN ist ein Thema für Leute, die nachhaltig denken und Wert auf Handwerk und Qualität legen“, sagt Wetzels. Das passt!

Noch ein Wort zur Schönheit. Kennen Sie Paolo Costa? Ich habe erst jetzt von dem Fotografen erfahren, der leider viel zu früh verstorben ist. Er hat die Hochzeit des italienischen Films festgehalten, Stars wie Marlene Dietrich, Gina Lollobrigida, Anna Magnani, Brigitte Bardot, Elizabeth Taylor und Richard Burton fotografiert. Costa arbeitete aber auch als Mode-, Werbe- und Industriefotograf. Wir stellen ihn und seine Arbeiten vor. Ein überaus lohnenswerter Blick auf eine Jahrzehnte währende Schaffenszeit und es stimmt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

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Markus Oess