Messen sind tot – es leben die Messen?

Messen

Live or let die? ©Gerd Altmann @Pixabay

Autorin: Katja Vaders
Die Messesaison steht vor der Tür – und wieder einmal ist alles in Bewegung. Bei unserer letzten Redaktionskonferenz drängte sich uns daher die Frage auf, wohin die Reise beim Thema Messe in den kommenden Saisons wohl noch gehen wird. Wir haben viel diskutiert und uns schließlich erlaubt, neun Thesen aufzustellen, die die Existenz von Modemessen, zumindest so, wie wir sie bisher kannten, in Frage stellen. Aber wie sieht das die Branche? FT bat DRYKORN-CEO Marco Götz sowie Wolfgang Schinke, Inhaber von männersache & frauenzimmer in Krefeld, sich unsere Thesen einmal anzuschauen – und zu kommentieren.

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Marco Götz, CEO von DRYKORN

„Genau das fehlt gerade … Motivation, Wohlwollen und Gemeinsamkeiten zu realisieren und daraus neue Ideen abzuleiten.“ DRYKORN-CEO Marco Götz ©DRYKORN

Digital first: Das Konzept einer physischen Messe ist nicht mehr zeitgemäß.
„Gerade jetzt wäre für das B2B-Geschäft eine persönliche Plattform wichtig, um sich über Veränderungen auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze zu besprechen.“

Seit Jahren sind Messen vor allem die „Sprechstunde“ der Branche, geordert wird sowieso in den Showrooms.
„Genau das fehlt gerade … Motivation, Wohlwollen und Gemeinsamkeiten zu realisieren und daraus neue Ideen abzuleiten.“

Wenn schon Messen, sollten sie an einem einzigen, zentralen Termin organsiert werden.
„Wäre wünschenswert. Zumindest in die einzelnen Segmente geclustert.“

Zu überfrachtet: Ein Rahmenprogramm auf der Messe bringt nicht viel – Ware und Absprachen, darum geht es!
„Messen sind in unserer Branche auch immer Entertainment und Emotion. Das haben uns die erfolgreichen Konzepte in der Vergangenheit gezeigt.“

Warum eigentlich zweimal im Jahr? Eine Messe jährlich, das reicht!
„Eine funktionierende wäre besser als gar keine. Zwei wären besser.“

Deutschland als internationaler Messestandort ist überflüssig. Die Fashion Weeks in Paris, Mailand, London, New York und Hot Spots wie Florenz oder Kopenhagen reichen aus.
„Im Luxussegment ist das richtig. Paris, Mailand, London, New York haben keine relevanten Messeformate. Florenz ist für Herren relevant, für Damen gibt es seit einiger Zeit kein Pendant.“

Weg mit der „alten Messe“. Wir brauchen neue, zeitgemäßere Formate!
„Gerne, wer nimmt es in die Hand und wer ist noch bereit, sich signifikant daran zu beteiligen?“

Bitte auf dem Weg bleiben! Wenn Messen anfangen, sich vom Kern der Sache zu entfernen und immer wieder neue, andere Konzepte propagieren, ist das ihr Tod.
„War, denke ich, ein Versuch, das bestehende, vielleicht sterbende Konzept mit neuen Ideen aufzufrischen. Hat leider nicht geklappt.“

Im Zeitalter der Nachhaltigkeit sind Messen das Gegenteil: zu viel Müll, zu großer CO2-Abdruck, unter anderem auch, weil Besucher:innen aus aller Welt anreisen.
„Persönlicher Austausch tut allen gut. Er fördert gegenseitiges Verständnis, soziale Umgangsformen und Gemeinsamkeiten, damit wir nicht zu kompletten Digitalzombies verkommen.“

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Wolfgang Schinke, Inhaber männersache & frauenzimmer

Mailand und Paris sind nett – aufgrund der Kosten und aus ökologischen Gründen sind aber vor allem die Messen vor Ort extrem wichtig. Es sind Orte des Arbeitens, nicht, um Party zu machen.“ Wolfgang Schinke, Inhaber männersache & frauenzimmer ©FT

Digital first: Das Konzept einer physischen Messe ist nicht mehr zeitgemäß.
„Absolut falsch. Die Emotionen der Brands müssen überspringen.“

Seit Jahren sind Messen vor allem die „Sprechstunde“ der Branche, geordert wird sowieso in den Showrooms.
„Messen schaffen einen Überblick, der mit vertretbarem Zeitaufwand machbar ist – und geordert wird natürlich auch. Showrooms sind der Kontakt zum Lieferanten. Besuche dort bedingen, dass ich die Brands kenne, denn sie sind immer ein gezieltes Ansteuern.“

Wenn schon Messen, sollten sie an einem einzigen, zentralen Termin organsiert werden.
„Zeit- und damit Kostenersparnis ist alles heute – je zentraler desto besser.“

Zu überfrachtet: Ein Rahmenprogramm auf der Messe bringt nicht viel – Ware und Absprachen, darum geht es!
„So ist es!“

Warum eigentlich zweimal im Jahr? Eine Messe jährlich, das reicht!
„Nein, jede Saison ist eine Messe nötig, um sich jeweils auf diese Saison konzentrieren zu können.“

Deutschland als internationaler Messestandort ist überflüssig. Die Fashion Weeks in Paris, Mailand, London, New York und Hot Spots wie Florenz oder Kopenhagen reichen aus.
„Mailand und Paris sind nett – aufgrund der Kosten und aus ökologischen Gründen sind aber vor allem die Messen vor Ort extrem wichtig. Es sind Orte des Arbeitens, nicht, um Party zu machen.“

Weg mit der „alten Messe“. Wir brauchen neue, zeitgemäßere Formate!
„Emotionen, die Ware anzufassen, werden immer zentrale Bausteine des Bestellprozesses sein. Das ist durch nichts zu ersetzten. Corona hat uns gelehrt, dass letztendlich die Haptik entscheidend ist. Digitales Ordern funktioniert nicht.“

Bitte auf dem Weg bleiben! Wenn Messen anfangen, sich vom Kern der Sache zu entfernen und immer wieder neue, andere Konzepte propagieren, ist das ihr Tod.
„Richtig! Neue Themen aufzugreifen, ist wichtig – auch als selbstständiges Messeformat.“

Im Zeitalter der Nachhaltigkeit sind Messen das Gegenteil: zu viel Müll, zu großer CO2-Abdruck, unter anderem auch, weil Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anreisen.
„Sicherlich überlegenswert, aber da wäre eine Besinnung auf weniger Ware und vor allem der komplette Verzicht auf Fast Fashion viel notwendiger!“