Benchmark-Tool kommt gut ins Rollen

unitex

„Natürlich wäre alles unter einem Dach sehr wünschenswert und es wäre ebenso sehr wünschenswert, dass alle relevanten Anbieter präsent wären. Das hat aber wenig mit freiem Markt und freier unternehmerischer Entscheidung zu tun. Allerdings scheint die Modebranche doch von einem sehr hohen Maß an Individualität geprägt zu sein und wenn man sich den Verlauf der Messeentwicklungen in unserer Branche ansieht, dann gibt es schon fast selbstzerstörerische Tendenzen. Im Rückblick waren es dann immer die guten alten Zeiten. Das werden wir wahrscheinlich in ein paar Jahren vom Jahr 2018 behaupten. Ich sehe und wünsche mir aktuell keine Alternative zu Berlin. Deswegen werden wir durch unsere Aktivitäten den Messeplatz Berlin im Rahmen unserer Möglichkeiten weiter aktiv begleiten." © Unitex-Chef Gerhard Albrecht

Autor: Markus Oess

Händler auf der Warteliste. Seit gut einem Jahr ist die unitex, Neu-Ulm, im Rollout ihres Benchmark-Tools „Database“, das die Verbundgruppe in Kooperation mit der GfK in Nürnberg entwickelt hat. „Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns deutlich, dass wir mit der Einführung des Benchmark-Tools vor einem Jahr genau den richtigen Schritt getan haben. Mit der unitex-Database stellen wir ein wirkungsvolles Instrumentarium zur Verfügung, welches unseren Mitgliedern einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschafft“, sagt Gerhard Albrecht, Geschäftsführer der unitex. Mehr als 24 Monate Entwicklungsarbeit stecken in dem Projekt.

Für die Monate Januar und Februar 2017 steht für die Menswear ein Umsatzminus von 3,2 Prozent im System. Das ist immer noch besser als der Gesamtumsatz (minus 5,7 Prozent). Aber Albrecht weiß auch: „Gut geht anders.“ Die unitex-Database erhebt und verarbeitet Abverkaufszahlen auf drei verschiedenen Erhebungsebenen (Top Line, Medium Line und Detail Line) und gibt so den teilnehmenden Mitgliedern die Möglichkeit, sich bis in die einzelnen Sortimente hinein über aktuelle wichtige Markt- und Nachfrageentwicklungen zu informieren und die eigenen Abverkäufe im Wettbewerbsvergleich zu analysieren.

Gegenüber FT erklärt Albrecht, dass derzeit rund 20 Prozent der Mitglieder an das System angeschlossen seien. „Wir werden nach und nach weitere Häuser aufschalten, soweit dies technisch machbar ist. Derzeit gibt es eine Warteliste.“ Während alle mehr als 500 Markenlieferanten verarbeitet werden, bremsen zwei Problembereiche die Integration der Anschlusshäuser. Zum einen müssen die einzelnen Warenwirtschaftssysteme entsprechend schnittstellenfähig mit dem GfK-System gemacht werden. Der Klassiker eben. Noch schwieriger ist es, die Artikelzuordnung in den einzelnen Häusern in Einklang zu bringen. „Das Mapping der Artikel des einzelnen Mitgliedes zum Laufen zu bringen, ist natürlich lösbar, aber etwas zeitaufwendig“, meint Albrecht.

Überschaubare Kosten für den Handel

Aus dem Zahlenmaterial aus mehr als 300 Standorten ließen sich Trends, zum Beispiel bei Lieferanten, Warengruppen und Stilgruppen frühzeitig erkennen, sagt Albrecht. Gleichzeitig seien KPIs und Performance-Faktoren für einen schnellen Überblick über Outperformance verfügbar. Dafür werden über die unitex-Database monatliche anonymisierte Informationen auf Artikelbasis über Abverkäufe nach Sortimentsschwerpunkten, Regionen, Lieferanten etc. aus den Warenwirtschaftssystemen der Mitglieder gewonnen. Die Kosten seien mit einem Jahresbeitrag von 75 Euro absolut überschaubar, wirbt Albrecht.

Inzwischen arbeiten die Neu-Ulmer auch an einer Lösung, um der Industrie gegen Bezahlung die Abverkaufszahlen zur Verfügung zu stellen. „Unsere Industriepartner signalisieren steigendes Interesse“, meint Albrecht. Ein weiteres wichtiges Projekt für 2017 ist die zur Jahresmitte geplante Initialisierung des digitalen Rechnungsportals für die unitex-Mitglieder. Auch hier arbeitet die unitex mit einem Partner im Bereich digitale Datenverarbeitung und EDV-Dienstleistungen zusammen, der raw Rechen-Anlage West GmbH.