Wandlungskünstler Denim

Kommentar

Autorin Tays Jennifer Köper-Kelemen.

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Moden kommen und gehen, doch ein Kleidungsstück bleibt ganz gewiss: die Jeans. Man darf sie gewissermaßen als Uniform der Moderne bezeichnen. Was macht die Hose so einzigartig, so besonders, dass sie jeden Trend, jedes Jahrzehnt überlebt?

Die Erfolgsstory der Jeans beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der fränkische Auswanderer Levi Strauss entschließt sich dazu, in San Francisco robuste Arbeitsbekleidung für Goldgräber zu fertigen. Aus der anfänglichen Baumwollhose in Leinenbindung, die bis dato in Europa verbreitet war, entwickelt sich so in den USA eine indigogefärbte Variante in stabilerer Köperbindung – mit Nieten zur Verstärkung der Hosentaschen.

Heutzutage gibt es Jeans in jeder nur erdenklichen Form. Sie hat Dekaden rebellischer Jugendbewegungen begleitet und ist damit unlängst zum Kultobjekt avanciert. Es gibt sie schmal geschnitten, weit geschnitten, mit hohem oder niedrigem Bund, mit lässigen Destroyed-Effekten oder auch ganz puristisch interpretiert, mit starken Waschungen oder Applikationen. Und es ist neben der robusten Natur und Alltagstauglichkeit ganz klar wohl eben diese Wandlungsfähigkeit, die den Erfolg der Jeans ausmacht. Im Gegensatz zu so manch anderem Teil lässt sie sich bestens immer wieder neu erfinden. Das perfekte Kleidungsstück also?

Es ist leider nicht so einfach, wie es scheint. Umweltverschmutzung und Klimawandel bestimmen in der heutigen Zeit die Schlagzeilen. Schon hat sich die Jeans den Titel als „schmutzigstes Kleidungsstück“ eingefangen. Nicht ohne Grund. Die Produktion einer herkömmlichen Jeans beansprucht einen hohen Wasserverbrauch, zudem kommen für die Färbung und die Veredelung des Gewebes oftmals giftige Chemikalien zum Einsatz. Ressourcenschonend geht anders. Vor allem dann, wenn auch noch die Fast Fashion die modische Halbwertszeit nahe null drückt und das nicht mehr ganz so gute Stück nach wenigen Einsätzen im Müll landet.

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Sustainable Denim macht sich nach und nach einen Namen. Dabei geht es nicht nur um die Verwendung von Bio-Baumwolle, die gesamte Produktionskette steht unter einem grünen Stern – vom geringen Wasserverbrauch bis hin zu fair gezahlten Löhnen in den Produktionsstätten. Es liegt nun nicht zuletzt am Verbraucher, ob dieses Modell den Massenmarkt erreicht. Dann aber stünde fest: Die Wandlungsfähigkeit der Jeans geht über rein optisch zu erfassende Aspekte hinaus. Insbesondere, da ergänzend hinzukommt, dass sie neuerdings auch funktionale Eigenschaften vorweisen kann, so ist sie mit wasser- oder schmutzabweisenden Ausrüstungen versehen. Man darf also sehr gespannt sein, welchen Weg die Denim noch nehmen wird.