Kein leichter Weg

Gastkommentar

©Ahlers AG
Alexander Langhorst ©GSC Research
Alexander Langhorst ©GSC Research

Nach 7 Millionen Euro Verlust in 2017/18 erwartet der Vorstand in 2018/19 ein „Transformationsjahr“. Alexander Langhorst, Analyst bei GSC Research, Düsseldorf, über die Erfolgsaussichten eines Turnarounds der Herforder.

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Vom schwierigen Umfeld auf dem Textilmarkt in Deutschland und weiteren wichtigen Märkten konnte sich ahlers im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht abkoppeln. Bereits anlässlich der Vorlage der Zahlen für die ersten neun Monate des per 30. November 2018 beendeten Geschäftsjahres 2017/18 hatte der Herforder Herrenmodehersteller ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Ertrags- und Effizienzsteigerung angekündigt. Neben der Einstellung der Sportswear-Marke JUPITER werden die Marken pierre cardin und PIONEER rein auf Herren fokussiert und die Damenhosen entfallen. Ferner werden interne Prozesse optimiert, wodurch insgesamt ein einmaliger Sonderaufwand von 5 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr entstanden ist. Bislang verläuft die Umsetzung der Maßnahmen planmäßig, wie Firmenchefin Dr. Stella Ahlers im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am 28. Februar 2019 in Düsseldorf erläuterte. Die volle Wirksamkeit auf der Ergebnisseite werden die in Umsetzung befindlichen Schritte jedoch erst in dem am 1. Dezember 2019 beginnenden Geschäftsjahr 2019/20 entfalten.

Zu kämpfen hatte ahlers mit seinen Marken pierre cardin, BALDESSARINI, OTTO KERN und PIONEER neben dem allgemein schwierigen Branchenumfeld vor allem auch mit stark rückläufigen Verkäufen von Anzügen – hier schwächelten selbst die bis in die jüngere Vergangenheit noch sehr erfolgreichen Baukasten-Angebote – und Jacken (Umsatzeffekt insgesamt minus 9,7 Millionen Euro) sowie der schwierigen Marktsituation in Osteuropa (Umsatzeffekt minus 5 Millionen Euro). Insoweit ist es nicht verwunderlich, dass auch die Unternehmenschefin den Geschäftsverlauf als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnete.

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Insgesamt sanken die Umsatzerlöse um 5,4 Prozent oder 12,8 Millionen Euro auf 223,1 (Vorjahr 235,9) Millionen Euro. Eingeleitete Einsparungen dämpften die hierdurch ausgelösten negativen Ergebniseffekte zwar etwas, konnten diese aber letztlich nicht vollständig kompensieren, sodass sich vor Sondereffekten das EBITDA auf 3,7 (8,7) Millionen Euro und das EBIT auf minus 1,4 (plus 3,5) Millionen Euro verringerte. Unter dem Strich weist ahlers für 2017/18 mit minus 7 (plus 1,9) Millionen Euro ein deutlich negatives Ergebnis aus. Das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf minus 0,51 (plus 0,13) Euro.

Für das aktuell laufende Geschäftsjahr 2018/19 rechnet GSC Research analog zur Guidance des Unternehmens bei einem anhaltend schwierigen Marktumfeld mit weiterhin leicht rückläufigen Umsätzen in der Mode- und Textilbranche. Zudem ist zu beachten, dass sich durch die Einstellung von JUPITER sowie der Damenhosen bei pierre cardin und PIONEER ein Umsatzverlust von rund 6 Millionen Euro verglichen mit dem Geschäftsjahr 2017/18 ergeben wird. Unter Berücksichtigung eines auch insgesamt leicht rückläufigen Marktes dürfte ahlers auch im aktuell laufenden Jahr mit einem weiteren Erlösrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich abschließen. Auf der Ergebnisseite dürfte sich durch den Wegfall der Sonderbelastungen aus dem Vorjahr von rund 5 Millionen Euro durch die eingeleiteten Strukturmaßnahmen eine Verbesserung in Richtung von minus 1,5 bis minus 2 Millionen Euro ergeben. Bezogen auf die ahlers-Aktie ergibt sich daraus ein Wert von minus 0,10 bis minus 0,15 Euro. Damit wird auch das von der Vorstandschefin als „Transformationsjahr“ bezeichnete Jahr2018/19 mit einem Fehlbetrag abschließen. Vor diesem Hintergrund ist nach dem Dividendenausfall für das vergangene Geschäftsjahr auch für das aktuelle nicht mit einer Ausschüttung an die Anteilseigner zu rechnen.

Eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen soll im Geschäftsjahr 2019/20 gelingen. Im kommenden Jahr werden die Effekte aus den eingeleiteten Strukturmaßnahmen erstmals ganzjährig greifen. Zudem sollte sich auch die bereits vor eineinhalb Jahren begonnene Umstellung im Bereich der Hosen hin zu einem Vollkauf (bislang passive Lohnveredelung) positiv auf das Rechenwerk und insbesondere die Höhe des erforderlichen Working Capitals auswirken. Durch den angekündigten Verkauf nicht mehr notwendiger Grundstücksflächen in Herford sowie eines Teils des vorhandenen Kunstbestandes (Buchwert rund 17 Millionen Euro) soll im laufenden Jahr die vorhandene Fremdmittelinanspruchnahme um gut ein Drittel verringert werden. Hierdurch dürfte sich die mit 54,1 (56,4) Prozent ohnehin solide Eigenkapitalquote weiter verbessern. Bei Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Geschäftsjahr dürfte sich der aktuell an der Börse bei Kursen um 3  Euro bestehende deutliche Abschlag auf den Eigenkapitalwert je Aktie von rund 6,80 Euro deutlich verringern können. Angesichts des aktuell sehr skeptischen Sentiments an der Börse gegenüber Aktien aus der Modebranche sollten Investoren bei der Spekulation auf einen erfolgreichen Turnaround der ahlers-Aktie jedoch auch die bestehenden Risiken im Auge behalten.