Jade Jackson – Wilderness

Gehört – gekauft

„Betörender Engel des Country- and Roots Rock." Jade Jackson ©Matt Bizer
Autor: Christoph Anders

2-LP/CD. Der betörende Engel des Country- and Roots Rock steigt zum zweiten Mal vom Twang- und Steel-Himmel herab, um mit der heftigen Hilfe von Mike Ness traditionsnahes Wurzelwerk mit deftigem, mitunter auch dreckigem Druck zu beschleunigen. Doch auch wenn der Social-Distortion-Kopf die vokal wehmütig und weich dargereichten Weisen mit gehörig prasselndem Gitarrenfeuer unterfüttert, klingt das unwiderstehlich mitreißende Ergebnis weniger nach Punk als nach goldenen Twang-Trust-Tagen oder der bewährten Buddy Miller Slide-, Steel- & Swamp-Schule. Gekrönt von einer warm-weichen, mädchenhaft naturnahen, dezent dunkel gefärbten Stimme, bei der selbst Kennern die einfach-klaren Vergleiche ausbleiben (ab und an vermeint man, die junge Lucinda zu hören), gehen die puren, von berückend hymnischen Melodien getragenen Roots-Juwelen bereits beim ersten Zusammentreffen ungebremst in Ohr, Hirn und Herz. Zumeist deftig elektrisches Saitenwerk, aber auch singende Steel-, beseelte Fiddle-, getragene Hammond- und raumgreifende Klavierakkorde prägen das reife Instrumentalwerk, aus dessen wohlbereiteter Mitte Jades verführerisch natürliche Stimme ihre berührenden Geschichten tief in des Hörers Seele trägt, gekleidet in Melodien, die bleibend nachhallen. Mitunter machtvoll mitreißend, dann unwiderstehlich zum Tanze ladend, aber auch in moll-weich formatfüllenden Country-Folk-Balladen wird hier die ganz große Schule des traditionsverbundenden Americana/Roots Rock zelebriert, gefasst in ein deftiges Dutzend nahezu sämtlich von Jade verfasster Song-Edelsteine, präsentiert mit vehementer Wucht und verzaubert durch eine der bemerkenswertesten Stimmen des gesamten Genres. (cpa)

Obacht: Dank der tatkräftigen Unterstützung seitens Label und Vertrieb dürfen und können wir den ersten Bestellern des neuen Jackson-Juwels jeweils zwei exklusive, vor allem aber ungemein augenfreundliche Jade-Postkarten beilegen. Solange der Vorrat reicht!

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The Raconteurs – Help Us Stranger

LP (+MP3)/CD. Nach zwei Alben und elf Jahren der relativen Band-Ruhe nimmt das Prall-und-Pracht-Objekt um die kongeniale Kreativ-Kernzelle Jack White und Brendan Benson wieder volle Fahrt auf und überwältigt uns mit einer in allen Rock-Farben schillernden Wundertüte, die bei aller Fantasiefülle dennoch nie den roten Faden verliert und knapp sechs Jahrzehnte (vorwiegend britischer) populärer Musik in einem Dutzend deftiger Songs auf den packenden Punkt bringt. Richtig inaktiv waren die beiden Haupt-Täter in den Zwischenjahren ja nicht und so hört man die vielfältigen Erfahrungen im und am neuen Album, das bei aller Güte der beiden Vorgängerwerke noch bunter, vielfältiger, tiefer wirkt. Auch wenn die zwei Klang-und-Stil-Zauberer mal offenkundig, mal zwischen den Zeilen, aber stets unverkennbar ihre vokalen und instrumentalen Spuren legen, so ist auch die 2019er-Album-Breitseite definitiv ein Gemeinschaftswerk, wachsen hier doch die mitunter höchst unterschiedlichen Vorlieben des federführenden Duos zu einer elektrisierenden Einheit zusammen.

The Raconteurs ©OliviaJean

Zwischen akustischer Folk-Ballade und satt elektrifiziertem Fiddle Country, roh-rauem Rock ’n’ Roll und keyboardlastigem Progressive Pop, Stones-Riff-Rock und saftiger Led-Zeppelin-Härte, psychedelischen Beatles-Schwebteppichen und packendem Punk, heftig-schneidendem Mundharmonika-Blues, barock überbordenden Queen-Pop-Fantasien und Glam-Rock-Gleißen von Sweet bis T. Rex wird hier eine mitreißende Rock-/Power-Pop-Melange gefeiert, die ihresgleichen sucht. Und dennoch agieren die Schöpfer dieses kaum mit Worten zu umzäunenden Kreativ- und Kraftpakets stets erkennbar im Mittelpunkt des mächtigen Maelstroms und das wuchtige Zusammenwirken von ohrenfreundlichen Benson-Melodien und vehementen White-Gitarren-Kaskaden ist und bleibt einzig. Als wären sie nie weg gewesen.

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The Frictions – Torch

Autor: Lutz Mastmeyer

CD. Mittlerweile acht Jahre ist es her, dass Chris Eckman und seine Mitstreiter (Bernard Kogovsek, Gitarre, Bassist Tomi Popit und Drummer Luka Salehar) ihr bislang einziges Album „Halogen Sky“ veröffentlichten. Und es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben, so nahtlos schließen sich diese acht Songs an das damalige Spät-Desertrock-Meisterwerk an. Klar, die Songs sind etwas komplexer, filigraner in Bezug auf Songwriting und Arrangement geworden, aber das Gerüst bleibt und die zusätzlichen Nuancen tun ihm gut, heben „Torch“ aus dem Verdacht heraus, ein reines Spaßalbum zu sein (was ja in der Qualität wie bei Halogen Sky nichts Verwerfliches ist). Wie sagt die Band über sich: “We play rock music distilled to its basic essence: electric guitar (left) / electric guitar (right) / bass / drums. It is music crafted from the simple faith that noisy, hypnotic songs played with conviction by four guys in a room, are more than enough. Music for drunken nights and deserted highways.” Selbstverständlich gibt es auch andere Sinn machende Optionen, aber das hier kommt der Essenz an Rockmusik schon sehr nahe.

The Frictions ©Primoz Korosec

Chris Eckman gewinnt als Sänger offensichtlich mit jeder neuen Veröffentlichung an Kraft und Wucht, als Texter schafft er es ohnehin seit Jahrzehnten, auch diffizile gesellschaftspolitische Themen intelligent und nuanciert stets mit Haltung und Verve aufzugreifen. Die Dual Leads von Eckman und Kogovsek begeistern, die instrumentalen Psych Parts ebenso. Fast anachronistisch mutet die Tatsache an, dass dieses Album als ebensolches angelegt ist. Keine Ansammlung von potenziellen Streaming Hits, sondern acht ganz feine Songs, die in einem wunderbaren Spannungsbogen zusammengestellt wurden, sodass das Ganze nochmals mehr als die Summe seiner Einzelteile wird. Chapeau!

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