Modegeschichten

Editorial

Markus Oess, ©FT

Denim, ein Klassiker, an dem kein Mann einfach vorbeigeht und der es mit Sicherheit in jeden Kleiderschrank der Republik geschafft hat. Und längst schon ist die gute alte Denim zum Favoriten in der Nachhaltigkeitsszene avanciert. Obwohl, wahrscheinlich aber gerade weil die Herstellung derselben zur Blaupause der Textilproduktion geworden ist. Leider immer noch zur Textilproduktion, wie sie nicht sein sollte. Giftig, dreckig und mit einem Grundstoff, dessen Ertrag gentechnisch aufgepimpt wird. Andererseits gilt die Jeans als eine der tragbaren Lösungen für umweltfreundliche und sozial faire Produkte in der Modewelt, deren Preisabstand zu konventioneller Ware keinen Konsumenten mehr schrecken dürfte. Und über mangelnde Auswahl dürfte sich auch kein Mensch beklagen. Gut so. Und wenn der Händler seinen Kunden die Wahl lässt, werden die schon wissen, was zu tun ist. Die Jeans ist immer auch mit Geschichten verbunden – wenn eine rund um Nachhaltigkeit dazukommt, umso besser. Es wäre wünschenswert, den Markt mit zu 100 Prozent nachhaltig produzierten Teilen abzudecken, dürfte aber gerade im preisverliebten Deutschland schwer zu erreichen sein – aber eine spürbare Absatzsteigerung sollte schon drin sein.

Generell hat sich der Markt verändert und Marktrelevanz definiert sich nicht mehr allein über Marke und Preis. Zudem scheint die Menswear an Attraktivität zugelegt zu haben, sagt PREMIUM-Chefin Anita Tillmann im FT-Interview. Und darauf hat sie konzeptionell reagiert und ihre Plattformen PREMIUM, SEEK und FASHIONTECH nochmals verfeinert. Eine Messe-Geschichte, die vor langen Jahren ihren Anfang in einem U-Bahn-Tunnel am Potsdamer Platz nahm. Auch wenn bei der SEEK die Menswear sogar deutlich überwiegt, ist die PREMIUM für eine stattliche Anzahl wichtiger Menswearspezialisten zu einer neuen Heimat geworden, die inzwischen weiteren Platzbedarf anmeldet. Berlin gerät in Bewegung und auch die kommende Januar-Ausgabe der FASHION WEEK wird zum Transformationsmodell, wenn klar ist, wie sich die NEONYT und die PANORAMA der Branche präsentieren, und vor allem, ob die Geschichten, die die beiden Messen erzählen, gefallen.

Von alledem unberührt, hat sich Metzingen vom ersten Outletcenter Deutschlands zum internationalen Mekka von Schnäppchenkäufern entwickelt. Die Nummer eins in Europa karrt auch von den Flughäfen in Frankfurt und Stuttgart internationale, kaufwütige Gäste heran. OUTLETCITY METZINGEN wächst und wächst und HUGO BOSS baut sein neues Flagship-Outlet mitten ins Herz des schwäbischen Outletcenters, das das erste seiner Art in Deutschland war. Die Frage ist aber, wie viel solcher Center der heimische Handel noch verkraften wird und wann vertriebliche Substitutionseffekte eintreten. Gleiche Mengen zu niedrigeren Preisen, aber mit höheren Margen für die Marken. Eine seltsame Geschichte, die irgendwie absurd klingt, um als Erfolgsmodell durchzugehen, tut es aber ganz offensichtlich für die Industrie und den einen oder anderen Immobilienentwickler. Naturgemäß halten Händler nicht allzu viel davon. Es sei denn, es würde tatsächlich nur Altware der Vorjahressaison verkauft. Dann aber könnten die Marken über ihre Outlets nur so lange gut verkaufen, wie die Vorjahresplanungen aus dem Ruder laufen. Keine Ware, kein Umsatz. Klingt aber irgendwie genauso absurd.

Er ist ein Altmeister, genialer Visionär und ein nicht minder begabter Selbstvermarkter. Pierre Cardin musste erst 97 Jahre alt werden, um in Deutschland seine erste große Werkschau zu bekommen. Na ja, ist übertrieben, aber tatsächlich zeigt der Kunstpalast einen beeindruckenden Überblick über das Schaffen des französischen Modeschöpfers, der in Italien das Licht der Welt erblickte. Eine sehenswerte Ausstellung, die auch ein Stück Zeitgeschichte erzählt. Viel Spaß beim Geschichtenlesen wünscht

Ihr

Markus Oess