„Strategische Ziele justiert“

BENVENUTO.

Screenshot ©BENVENUTO.
Autor: Markus Oess

Im Januar dieses Jahres wurde Andreas Franz als Geschäftsführer nach Hamm geholt. Franz soll das Unternehmen auf neuen Kurs trimmen. Er hat die Organisation auf sieben Bereiche gestrafft. Der Manager fordert Geduld, bis sich die Kurskorrektur zeige, dauere es noch. Auch an der Kollektion wird unter dem neuen Chefdesigner Uwe Hessel nach der Einführung der Einmarkenstrategie 2017 weiter gearbeitet. Im Vordergrund stehen Total Look und Kombinierbarkeit. Zudem soll die Marke gerade bei jungen Verbrauchern bekannter werden.

Eine Marke. Eine Kollektion. Die allerdings wurde gestrafft. „Die Stilistik und die modische Attitüde Italiens bleiben für BENVENUTO. Kernelement der Kollektion. Der wachsende Einfluss der Sportswear wird auf die Konfektion adaptiert und weiterentwickelt. Prägendes Element bleibt die Kombinierbarkeit sämtlicher Teile untereinander“, sagt Chefdesigner Uwe Hessel. Der Designer arbeitet schon viele Jahre in der europäischen Modebranche und hat unter anderem für windsor., Dressler und RENÉ LEZARD entworfen. Bereits zu Zeiten von TONI GARD hat der Designer mit S. Leithäuser zusammengearbeitet. Die Stilistik und modische Attitüde Italiens blieben für das Menswear-Label Kernelement der Kollektion. Die Konfektion wird auch in Zukunft im Fokus der Marke sein, aber im Sinne des Total Looks spielen die Warengruppen Schuhe, Strick, Hemd und Gürtel eine bedeutende Rolle. „Für uns war die Einmarkenstrategie der entscheidende Schritt in die Zukunft von BENVENUTO. Wir bieten die Passformen Slim, Super Slim und Regular unter einem Dach an. Unsere Kunden entscheiden selbst. Wir setzen alle Energie und schöpferische Kraft in eine Marke, in einen bestimmten Look: italienisch, lässig und wertig, handwerklich und detailverliebt“, sagt Hessel. „Wir arbeiten in der Kollektion an einem Gesamtbild der BENVENUTO.-Welt. „Für uns zählt der BENVENUTO.-Träger, den wir nach seinen individuellen Bedürfnissen einkleiden wollen, ohne ihn dabei zu überfordern.“

„Handwerklich und detailverliebt.“ Screenshot ©BEVENUTO.

Die Hammer unterscheiden den Split und den Broken Suit. Während der Split Suit mit verschiedenen Formelementen von Jacke und Hose arbeitet, werden beim Broken Suit auch verschiedene Materialien und Farben eingesetzt, die sich wieder über Haptik und Qualität verbinden. Der Split Suit bildet inzwischen die Basis des NOS-Angebotes, das mehr als die Hälfte des Geschäftes ausmacht. Auch der Sneaker Suit als Version des Split Suits bleibt im Programm und wird um elastische Stoffgruppen erweitert.HAdnwerkliches

Das Thema der neuen Kollektion Herbst/Winter 2020/21 lautet „BENVENUTO. meets Bozen‘ (B.OZEN)“ und soll den italienischen Einfluss auf die Mode ebenso wie die alpine Winterwelt der Region versinnbildlichen. Die Formen werden weicher, die Farben weniger intensiv. Gleichzeitig werden die Oberteile wieder etwas runder und voluminöser, die Silhouetten der Hosen bleiben aber schlank.

„Wir haben mit Uwe Hessel einen Designer gewonnen, der mit klarer Handschrift arbeitet und auf den Markenkern von BENVENUTO. aufsetzt. In dem Team von Uwe Hessel kümmert sich neu Herr Christian Podlaha um die Entwicklung der Baukästen. Die gemeinsame Arbeit und Stilistik präsentiert sich in der neuen Herbst/Winter-Kollektion“, erklärt BENVENUTO.-Geschäftsführer Andreas Franz.

Franz hat im Unternehmen die Komplexität reduziert, die Prozesse und die Zuständigkeiten auf sieben Bereiche gestrafft. Betroffen waren im Wesentlichen Vertrieb, Marketing, Produkt, die Fertigung und die Unternehmensführung selbst. „Gemeinsam in diesem Team wurden die strategischen Ziele des Unternehmens justiert, auf die jetzt konzentriert hingearbeitet wird“, betont der Manager. Mode solle Spaß machen, egal in welcher Stimmung und zu welchem Anlass, sagt Franz im Interview mit FT:

„Werden aus 2020 spürbar gestärkt herausgehen.“ BENVENUTO.-Geschäftsführer Andreas Franz ©BEVENUTO.

FT: Wie kommt BENVENUTO. an junge Käufer heran?
Andreas Franz:Wir bespielen neben den klassischen Medien auch die sozialen Medien. Hierfür haben wir eigens zwei neue junge Leute abgestellt, die dieses Thema unter der Führung von Katrin Pauksch betreuen. Hier haben wir die Möglichkeit, eine junge Zielgruppe direkt anzusprechen. Wir sehen, dass gerade junge Männer wieder zum klassischen Anzug greifen – keine ganz schlechte Nachricht für uns. Passend hierzu haben wir in Kooperation mit Vera Mont ein School’s-Out-Programm erarbeitet, das wir im Frühjahr/Sommer 2020 zum zweiten Mal im Handel platzieren.“

Hat sich mit der modischen Fokussierung an den Kräfteverhältnissen NOS, Baukasten und Orderware etwas verändert?
„Wir haben unser NOS-Programm für Frühjahr/Sommer 2020 auf den Punkt gebracht und werden neue Innovationen präsentieren. Materialien mit neuen Produkteigenschaften sowie eine klare modische Ausrichtung sorgen für eine Abgrenzung gegenüber dem Wettbewerb. Wir können nicht mit Me-too-Produkten gewinnen, sondern müssen in unserer modischen Ausrichtung vorneweg gehen. Dass es funktioniert, zeigt uns der Erfolg unseres Sneaker Suits. Wir haben das Programm sehr viel moderner und casualisierter ausgerichtet – zum Beispiel das Sakko, das künftig sogar die Jacke ersetzen kann. Darauf müssen wir auch produktseitig reagieren. Auch bei den Formen der Hosen hat sich einiges getan. Die Kollektion und unser NOS-Programm rücken näher aneinander und zahlen so auch wechselseitig auf die Marke ein.“

Wie viele Shops hat BENVENUTO. im Markt und wie viele sollen im In- und Ausland noch dazukommen?
„Im Augenblick managen wir an die 70 Flächen im Markt. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Varianten. Wir rechnen mit spürbaren Synergieeffekten ab einer Anzahl von 100 bis 150 Flächen. Da wollen wir mittelfristig hin.“

Sie sind ein Verfechter der Flächenbewirtschaftung, wie sieht Ihr Angebot an den Handel konkret aus?
„Wir werden die Welt nicht neu erfinden. Wir bieten faire Rahmenbedingungen, orientieren uns aber dabei am Markt. Schließlich soll die Rechnung ja für beide Seiten aufgehen.“

Wenn Sie plötzlich Händler werden müssten, wären Sie lieber ein großer Online-Shop oder ein stationärer Händler?
„Ich komme aus dem stationären Handel. Retail is Detail und ich weiß, was für ein Aufwand hier erforderlich ist. Als Online-Händler ist es leichter und kostengünstiger, das Business zu entwickeln und später auf die Fläche zu wechseln.“

Welche großen Veränderungen sehen Sie aktuell im Einzelhandel und was macht die Digitalisierung dabei mit der Kunden-Marken-Beziehung?
„Die Flächen im Handel wachsen immer noch spürbar schneller als die Umsätze. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Ich rechne im stationären Handel mit einer Bereinigung. Der Handel steht vor einem schmerzhaften Transformationsprozess. Der digitale Wandel wird diesen Prozess beschleunigen. Auch im Handel gilt: Wer den Wettbewerb nicht über den Preis gewinnen kann, muss sich im Markt differenzieren. Händler mit Erlebnis- und Eventcharakter zeigen, wohin die Reise geht. Die Frage ist nicht, ob digital oder stationär, sondern, wie der Handel beides für sich selbst nachhaltig zusammenführen kann.“

Sie haben die Pitti aufgegeben – für sich betrachtet, sicher ein nachvollziehbarer Schritt. Bei einer Exportquote von rund 40 Prozent gibt es ja durchaus Luft nach oben. Wie kommen Sie an neue Händler?
„Um es klar zu sagen: Wir werden nun nicht das 16. oder 17. Land angehen, nur um eine weitere Nadel in die Landkarte zu stecken. Im Gegenteil, wir wollen profitabel wachsen und das heißt, wir konzentrieren uns auf die Länder, in denen wir ein einträgliches Geschäft machen. Die Umsatzgröße ist dabei eben nur ein Parameter neben anderen.“

Heißt das, Sie ziehen sich auch aus Ländern zurück?
„Das will ich nicht ausschließen. Welche Länder das sein könnten, steht aber noch nicht fest. Wir prüfen die Situation in jedem einzelnen Land. Wir haben in einigen Ländern wie zum Beispiel den Niederlanden und Belgien mehr Umsatzpotenzial als in anderen. Auch in Deutschland sehe ich übrigens durchaus noch Wachstumsräume.“

Sie haben ein gebrochenes Geschäftsjahr. Aber trotzdem – wie fällt Ihre Bilanz für das zu Ende gehende Jahr 2019 aus?
„Die zurückliegenden Monate und die Neuorientierung im Unternehmen sowie die daraus resultierenden Maßnahmen kosten natürlich Kraft. Aber ich gehe fest davon aus, dass wir aus dem kommenden Jahr 2020 spürbar gestärkt gehen werden.“