Das Bild der Zukunft

Kommentar

Autorin: Cordelia Albert

Wie ist unser Bild von der Zukunft? Als Teenager in der Schule sollten wir eine Stadt malen, so, wie wir sie uns in 20 Jahren vorstellen. Die Zeichnungen waren mehr als futuristisch. Schwindelerregende Hauskonstruktionen, fliegende Autos, Menschen in Raumanzügen oder ein stereotypes, feindliches Ambiente kamen zum Vorschein. So haben wir uns das damals vorgestellt. Inzwischen sind die 20 Jahre längst vorbei. Und wie ist sie nun, die Zukunft?

Einerseits war die Veränderung gar nicht so groß. Die Städte haben sich zwar etwas gewandelt, sehen im Grundsatz aber gar nicht so anders aus. Die Menschen wohnen immer noch in alten Jugendstilhäusern, laufen durch grüne Parks, die schon ihre Vorfahren angepflanzt haben, und sitzen entspannt im Straßencafé. Gleichzeitig finden sich aber so viele moderne Entwicklungen, wie wir sie uns damals nicht hätten vorstellen können: Es gibt U-Bahnen, die komplett allein fahren, Jalousien und Lichter in den Häusern können von überall auf der Welt per Smartphone gesteuert und der Kaffee einfach durch Auflegen einer Geldkarte bezahlt werden.

Die Zukunft zeigt sich im Jetzt weniger fortschrittlich und gleichzeitig viel moderner als erwartet.

Das gilt auch für die Mode: Als Fritz Lang 1927 in seinem Film „Metropolis“ die Figur der Maschinen-Maria schuf, hatte man die Vorstellung, dass eines nicht so fernen Tages die Menschen so gekleidet sein würden – allerdings fanden sich bis auf Sängerin Madonna in ihrer Korsage von Jean Paul Gaultier bislang kaum Ähnlichkeiten. Genauso wenig wie bei den futuristischen Looks anderer Science-Fiction-Filme. Stattdessen sind in diesem Jahr wieder mal die Mode der 1970er-Jahre gefragt und das Thema Romantik mit zarten Blütenprints und mädchenhaften Rüschenkleidern.

Das ist die eine Seite. Gleichzeitig bietet die Mode faszinierendere Entwicklungen, als wir sie uns früher vorgestellt haben. Inzwischen gibt es wirklich wegweisende Forschung, etwa zu Kleidung, die Bewegung dank künstlicher Muskeln erzeugen kann oder Temperaturen messen. Es wurden Textilien erfunden, die Strom erzeugen, um damit elektronische Geräte wie das Smartphone aufzuladen. Und auch Versuche, die Handys gleich in die Kleidung zu integrieren, laufen bereits.

Wenn wir heute an die Mode der Zukunft denken, spielen für die kommenden Jahrzehnte aber plötzlich auch ganz andere Dinge eine Rolle. Nachhaltige Themen stehen im Blickpunkt. Probleme wie Überproduktion, Müllberge voller Bekleidung, Vergiftung der Umwelt bei der Fertigung und die Notwendigkeit des Recyclings müssen gelöst werden. Denn das ökologische Bild der kommenden Jahre sieht düster aus. Hier muss die Zukunft aktiv mitgestaltet werden, statt futuristische Träume zu spinnen. Es ist spannend, ob diese Reise gelingt. Am Ende wird die Zukunft wie immer aber wohl anders sein als das Bild, das wir von ihr hatten.