Coronavirus dürfte auch Luxusbranche treffen

LVMH

Im Luxusgüterbereich lassen sich weiterhin auskömmliche Margen und – mindestens genauso wichtig – auch noch ein anhaltendes Wachstum realisieren. ©alle Bilder außer Langhorst ©screenshot LVMH
Autor: Alexander Langhorst

Der französische LVMH-Konzern (LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton) ist ein global aufgestellter und agierender Luxusgüterkonzern, der in den Bereichen Wein & Spirituosen, Mode & Lederwaren, Parfüm & Kosmetik sowie Uhren & Schmuck tätig ist. Zum Konzern gehören Marken wie LOUIS VUITTON, Moët Hennessy, BVLGARI, GIVENCHY, KENZO, DIOR, FENDI, benefit, DONNA KARAN, TAG HEUER, EBEL oder auch Dom Pérignon und HERMÈS. Nach der vor einigen Jahren erfolgten Übernahme des italienischen Kaschmirspezialisten Loro Piana hat LVMH jüngst den Erwerb des amerikanischen Juweliers TIFFANY abgeschlossen.

Corona unterscheidet nicht zwischen Luxus und Massenmarkt. GSC-Analyst Alexander Langhorst ©GSC Research

Strategisch ist LVMH mit seiner Fokussierung im Bereich der Luxusgüter im Markt gut und richtig aufgestellt. Auch ist man durch die vergleichsweise breite Aufstellung der verschiedenen Geschäftsfelder und Produktgruppen und auch die globale Ausrichtung auf der Risikoseite gut diversifiziert und kann temporär schwierige Entwicklungen wie zum Beispiel im Segment Mode in einzelnen Märkten durch Wachstum in anderen Regionen oder auch Segmenten kompensieren. Zudem lassen sich im Luxusgüterbereich ungeachtet des Preisdrucks in den unteren Preissegmenten weiterhin auskömmliche Margen und – mindestens genauso wichtig – auch noch ein anhaltendes Wachstum realisieren. Dabei profitieren die Konzernmarken von LVMH insbesondere von der in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegenen Kaufkraft und der Vergrößerung der Mittel- und Oberschichten in den asiatischen Märkten wie etwa China und Indien.

Milliardenschwerer Luxus

Die im Januar 2020 vorgelegten vorläufigen Zahlen bewegen sich in etwa im Rahmen der Markterwartungen, wenngleich der Umsatzanstieg im vierten Quartal bereits etwas unter den Schätzungen ausgefallen ist. Im Gesamtjahr konnte LVMH die Umsatzerlöse organisch um 12 Prozent auf 53,67 (46,83) Milliarden Euro steigern. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft lag im Gesamtjahr wie von Analysten erwartet bei 11,5 Milliarden Euro. Dies ist ein Anstieg von 15 Prozent. Das Unternehmen schlägt eine Dividende von 6,80 Euro je Aktie vor. Das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis je LVMH-Aktie beläuft sich demnach für 2019 auf rund 14,25 Euro nach zuvor 12,64 Euro.

Auf der Ergebnisseite könnten die Effekte noch deutlicher ausfallen. Bei einer weltweiten und länger anhaltenden Ausdehnung der Coronavirus-Epidemie wird allerdings nicht davon auszugehen sein, dass die Ausfälle in diesem Jahr durch gewisse Nachholeffekte ab 2021 wieder ausgeglichen werden können. Insbesondere könnte sich eine dauerhafte Einschränkung im Bereich des Tourismus auch in den großen Metropolen außerhalb Asiens negativ auf Absatzzahlen auswirken. In einem Worst-Case-Szenario, in dem möglicherweise auch die Lieferketten länger belastet werden, könnte es einige Jahre dauern, bis man auf die Ergebnisniveaus des Jahres 2019 und zu den eigenen mittelfristigen Wachstumszielen zurückkehren kann.

Aufgrund der Unwägbarkeiten geht GSC Research nach derzeitigem Stand für das laufende Jahr von einem leichten Umsatzrückgang im Konzern in Richtung 50 Milliarden Euro aus, die EPS werden darauf basierend im Bereich von etwa 13,00 Euro gesehen. Bei der Dividende wird konservativ mit einer gleichbleibenden Ausschüttung in einer Größenordnung von 6,80 Euro gerechnet. Auf dem aktuellen Kursniveau von 356 Euro wird die Aktie mit einem erwarteten 2020er-KGV von 27 und einer Dividendenrendite von knapp 2,1 Prozent bewertet. Das Kursziel sieht GSC Research bei 400 Euro, sodass LVMH weiterhin eine gute Halteposition darstellt. Bei fortdauernden Marktverwerfungen können Kurse unter 350 Euro durchaus auch für spekulative Einstiege genutzt werden.