Die Wandlungsfähigen

ind BERLIN

Die Mode von ind BERLIN zeichnet sich durch Wandlungsfähigkeit aus. Alle Bilder ©ind BERLIN
Autor: Maximilian Fuchs

Own less, wear more

Das Berliner Label ind BERLIN produziert faire Mode mit Mehrwert. Die drei Buchstaben im Markennamen stehen für innovatives, nachhaltiges Design – und dies beschreibt die Philosophie von Designerin Nina Walter und ihrem Team treffend. Alle Stücke punkten durch ihre 2-in-1-Nutzbarkeit und stellen damit einen erfrischenden Gegenentwurf zur Fast-Fashion-Mentalität dar.

Mode gegen die Überproduktion

Designerin und Geschäftsführerin Nina Walter

Das Motto „Own less, wear more“ beschreibt den Grundgedanken von ind BERLIN, wie die Designerin im Gespräch erklärt: „Wir bieten fair produzierte Kleidung an, die auf mindestens zwei Arten getragen werden kann. Dadurch macht man nicht nur mehr Platz im Kleiderschrank, sondern beugt auch dem großen Problem der Ressourcenverschwendung in der Modebranche vor.“ Jährlich produziert die Bekleidungsindustrie 2,1 Milliarden Tonnen Abfall und ein Ende der Überproduktion ist nicht abzusehen. Laut einer aktuellen Greenpeace-Studie kaufen deutsche Verbraucher im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr – tragen diese allerdings nur noch halb so lange wie vor 15 Jahren. „Durch unser Konzept möchten wir nicht nur auf die Ressourcenverschwendung aufmerksam machen, sondern mit unserer Mode auch direkt einen Lösungsansatz anbieten. Insgesamt weniger besitzen, aber die Sachen, die man besitzt, auf unterschiedliche Arten tragen können. Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass unser kompletter Herstellungsprozess in Europa stattfindet. Alle Schnitte werden in Berlin in unserem Atelier gefertigt. Produziert wird in Berlin und in Estland. Unsere Stoffe beziehen wir von europäischen Lieferanten“, so Nina Walter weiter. Den Großteil macht Baumwolle aus. Verstärkt wird auch auf Bio-Baumwolle und andere nachhaltige Stoffe gesetzt, darunter Cupro, Tencel oder Hanf. Die Materialwahl bestimmt den Gestaltungsprozess stark und so wird stetig nach den besten Stoffen Ausschau gehalten, um die Kollektionen noch grüner zu machen. Dazu ist man regelmäßig auf der MUNICH FABRIC START unterwegs.

Wandelbarkeit als Mehrwert

Erstmals wurde die Idee der Wandelbarkeit im Jahr 2010 in Ninas Abschlusskollektion realisiert. Damals ging es darum, Kleidung auf unterschiedliche Gefühlslagen anzupassen. Aus dieser Ursprungsidee wurde dann 2014 das Konzept für ind BERLIN: wandelbare Mode. „Diese bezieht sich wirklich auf jede Kreation, die in unserem Hause realisiert wird. Wir bleiben dem Motto treu und so kann jedes Teil auf mindestens zwei Arten getragen und benutzt werden“, resümiert Carlos Hirsch, der das Marketing bei dem jungen Berliner Label betreut. Ein absolutes Highlight ist der „Rulli“, ein Pullover, der sich mit wenigen Handgriffen in einen Rucksack verwandelt.

Der B2B-Markt ist ein wichtiger Umsatzbringer

Der Store mit angeschlossenem Atelier im BIKINI BERLIN

Bei ind BERLIN konzentriert man sich nicht nur auf Endkunden, auch der B2B-Bereich spielt eine wichtige Rolle. „Wir bieten individuelle Uniformen für Unternehmen, insbesondere für Hotels an. Unser erstes Projekt war damals 2016 für das SOHO HOUSE BERLIN in Mitte. Seitdem haben wir unser Partnernetzwerk kontinuierlich ausgebaut und sind froh, Hotels wie das SOHO HOUSE, AMERON Hotels oder about:berlin (SAVOY) ausgestattet zu haben. Darüber hinaus haben wir die Jamboree Bar im HYATT und das CECCONI’S Restaurant in Mitte ausstaffiert“, so Nina Walter. „Dabei ist uns wichtig, dass wir keine Standard-Uniformen anbieten. Das heißt, dass sich jedes Uniformkonzept unterscheidet. Unsere Vorgehensweise ist immer die gleiche: Wir besuchen die Partner vor Ort und lassen uns vom Hotel inspirieren. Natürlich fließen auch die Wünsche der Partner mit in den Designprozess ein. Anschließend erarbeiten wir vier Designkonzepte, aus denen der Partner dann wählen kann. Diese reichen über klassische, legere oder funktionale Uniformen. Für unseren Partner about:berlin haben wir zum Beispiel funktionale Uniformen kreiert, das heißt, hier haben wir unsere Wandelbarkeit mit einfließen lassen. Unsere individuellen Uniformen sind meistens eine Mischung aus bestehenden und individuell entwickelten Produkten. Wir machen alle Schnitte selbst und lassen diese dann in Estland produzieren. Der ganze Designprozess ist für unsere Partner erst mal kostenlos. Kosten fallen erst an, wenn Musterteile bestellt werden und die finale Bestellung in Auftrag gegeben wird.“