Warum ist es am Main so schön?

Modestadt Frankfurt?

Mit einer doppelten Busladung Erlebnisorientierter nach zur Hertha angereist. ©pixabay

Autor: Andreas Grüter
Im Rennen um den deutschen Modemessen-Pokal galt Frankfurt als absoluter Außenseiter und ist doch als Sieger vom Platz gegangen. Zu Recht? Wir haben uns von Andy Backer, Kopf hinter den beiden Labels HOOLIGAN STREETWEAR und PIZ GLORIA sowie Betreiber der St. Tropez Bar, über die Frankfurter Verhältnisse aufklären lassen.

„Bei uns gibt es diesen Spruch ‚Berlin kann jeder, Frankfurt ist Kunst‘.“ Andreas Backer

FT: Du bist gebürtiger Frankfurter und ausgewiesener Lokalpatriot. Was macht die Stadt für dich so einzigartig?
Andy Backer: „Frankfurt ist ganz ohne Frage die internationalste Stadt Deutschlands. Hier leben Menschen aus über 177 Nationen, was für eine einzigartige Stimmung auf den Straßen sorgt. Es gibt viele Parks und Grünanlagen, man kann am Museumsufer entspannen und wenn man wirklich mal aus der City rauswill, sind die Wälder der umliegenden Mittelgebirge nicht weit. Bei so einem Ausflug sollte man dann natürlich in einen der leider langsam aussterbenden Landgasthöfe einkehren, einen oder zwei Apfelwein trinken und sich dabei ein gutes, bodenständiges Essen schmecken lassen. Der Frankfurter an sich ist ja eher ein ruppiger Charakter, aber einer mit dem Herz am rechten Fleck. Also nicht abschrecken lassen. Was ich darüber hinaus sehr schätze, sind die kurzen Wege. Frankfurt ist zwar eine Metropole, aber eine, in der man quasi jedes Ziel locker zu Fuß erreichen kann. Zu guter Letzt beherbergt die Stadt dann auch noch die Erfinder der European Streetwear – meinen damaligen Partner Frank Dann und meine Wenigkeit. Ich fahre mit HOOLIGAN seit 1993 einen ganz eigenen Style, der eben keine US-Kopie ist.“

Zudem liegt die Stadt ja ziemlich zentral …
„Ja, Frankfurt feiert sich gern als Herz von Europa. Die zentrale Lage wird hoffentlich auch dazu führen, dass mehr Einzelhändler aus dem süddeutschen Raum und der Schweiz ihren Weg auf die Frankfurt Fashion Week finden.“

Und was spricht gegen Frankfurt?
„Als Einheimischer natürlich grundsätzlich die recht hohen Lebenshaltungskosten und die teuren Mieten als Resultat windiger Immobilienspekulationen. Auf Messebesucher dürften im Vergleich zu Berlin also höhere Kosten für Hotel und Verpflegung zukommen.“

Stichwort Mode. Spielt Fashion in Frankfurt überhaupt eine Rolle oder ist das der falsche Standort für so eine Messe?
„Frankfurt hat eine ewig lange Tradition als Handels- und Messestadt und mit der ambiente und der tendence finden hier ja schon zwei Tradeshows rund um das Thema Lifestyle statt. Ist Frankfurt also das richtige Pflaster für eine Modemesse? Gute Frage. In welcher Stadt wäre Mode in Deutschland denn wirklich gut aufgehoben? Traditionell wären das wahrscheinlich am ehesten Düsseldorf und München. Berlin war es nicht und jetzt schauen wir mal, wie Frankfurt sich schlägt. Ich denke, über Erfolg und Misserfolg wird nicht zuletzt entscheiden, ob die messe frankfurt es schafft, ein stimmiges Konzept durchzuziehen. Noch ist ja nicht raus, wo das Ganze stattfinden wird, aber ich glaube, es wäre gut, endlich wieder alles unter einem Dach zu haben. Die ewige Pendelei von Messe zu Messe war in Berlin schon sehr nervig und hat viel Zeit gekostet.“

Dennoch war man als professioneller Fashion Tourist ja nicht zuletzt wegen der Partykultur immer ganz gerne in Berlin. Aber möchtest du das Spektakel auch in deiner Stadt?
„Ach, ich stell mir das schon ganz lustig vor. Und als Betreiber der St. Tropez Bar ist die Veranstaltung für mich natürlich auch wirtschaftlich ganz interessant.“

Was hat Frankfurt, was Berlin fehlt?
„Bei uns gibt es diesen Spruch ‚Berlin kann jeder, Frankfurt ist Kunst‘, was eigentlich als Antwort schon reicht. Es gibt viele neue Restaurants und Bars und eine stetig wachsende Zahl interessanter Klamottenläden. Frankfurt hat einfach einen komplett anderen Vibe als Berlin.“

Also 1:0 für Frankfurt?
„Ach, du willst über Fußball reden! Wenn es um die Hertha geht, steht es aus meiner Sicht als eingefleischter Eintracht-Fan bereits 2:0. Das erste Tor haben die Berliner kurz nach der Wende kassiert. In dieser Zeit haben sich kaum Auswärtsfans nach Berlin getraut. Das hat uns natürlich gereizt und so sind wir dann mit einer doppelten Busladung Erlebnisorientierter angereist. Obwohl die Hertha damals ihr einziges Bundesligaspiel in der Saison gewann, ging die dritte Halbzeit klar an Frankfurt. Die Beziehungen zu diesem Verein haben sich seitdem nicht wesentlich verbessert. Zu Union Berlin gibt es zwar echt keine Fanfreundschaft, aber ich finde die Truppe wirklich sympathisch und wir helfen uns mitunter auch mit Eintrittskarten aus. Außerdem hat der ehrenwerte Adi ‚Strip-Adi‘ Adelmann, ein Original der Eintracht-Fanszene, der sich gerne auch mal während des Spiels nackig macht, bereits auf der Union-Trainerbank gesessen, als die Eisernen im Internet ein Ticket für diesen Ehrenplatz versteigerten. Natürlich ließ er es sich auch dort nicht nehmen, die Hüllen fallen zu lassen, um schließlich nackt auf dem Platz stehend die Mannschaftsaufstellung zu verkünden. Es war ein wunderbares Theater.“