Das Richtige tun

EDITORIAL

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Neulich kam eine Dänin im Deutschlandfunk zu Wort, die in der Sesamstraße Deutsch gelernt hatte. Der Konsum von Fernsehen macht also nicht zwangsläufig dumm oder führt zu hirnorganischen Schäden. Es kommt wie bei allem immer darauf an, was man damit macht. Bei aller Kritik hinsichtlich Durchlässigkeit, Fairness und Gleichbehandlung – die Bildungschancen sind im internationalen Vergleich unterm Strich trotzdem so schlecht nicht. Das gilt auch und gerade für das duale System von Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Auch wenn viele junge Menschen ein Studium bevorzugen, sind die Perspektiven dieses Weges zumindest in der Industrie und auch im Handel besser als ihr Ruf. Folglich sollten der Lehrberuf und die Weiterbildung zum Meister auch in der Gesellschaft mehr Anerkennung finden. Ein Blick auf den Ausbildungsmarkt offenbart tatsächlich viel Positives. Dennoch täuscht das nicht darüber hinweg, dass manche Ausbilder und Unternehmen ihre Azubis eher als billige Arbeitskräfte einstufen. Auch die Lage in den Berufsschulen ist hinsichtlich Lehrpersonal und Ausstattung nicht gerade rosig. Dazu kommt, dass schon vor Corona viele Lehrstellen nicht besetzt werden konnten. Wenn die Branche aber nicht ausbildet, wird es zwangsläufig zu einem weiter wachsenden Fachkräftemangel kommen, den wir uns schlicht nicht leisten können. Handeln wir danach und schätzen die wert, die unsere Zukunft tragen, die jungen Menschen und Kinder. Und das sei auch gesagt: Es spielt keine Rolle, wie die Menschen aussehen, wie sie sich selbst definieren oder welcher Religion sie anhängen, so sie das tun, und auch nicht, wer ihre Eltern sind. Rasse und Rassist haben einen bösen Gleichklang, der jeden Menschen demütig niederknien lassen sollte – immer bereit, für wirkliche Gleichberechtigung aller zu kämpfen und die zu schützen, die schutzbedürftig sind!

Für große Aufregung in der Branche sorgte eine Nachricht aus der zurückliegenden Woche. Berlin verliert seine wichtigsten Akteure der Modeszene. Die PREMIUM GROUP kooperiert mit der messe frankfurt und will ab kommendem Sommer die Frankfurt Fashion Week aufbauen. Zurück bleibt eine augenscheinlich ratlose Berlin Fashion Week, der die Messebetreiber abhandengekommen sind. Es gibt Argumente, die für Frankfurt sprechen: Geografisch liegt die Stadt in der Mitte von Deutschland und im Herzen Europas. Frankfurt ist international und hat mit dem Flughafen ein funktionierendes Drehkreuz. Vor allem hat Frankfurt den Vorteil, dass Berlin offenbar keine lukrative Location bot, die PREMIUM, SEEK, NEONYT und zwei Konferenzen zu den Messeterminen beherbergen konnte, und die Orchestrierung der verbliebenden Veranstaltungen auch hier und da schiefe Töne erzeugte. Zudem konnte Frankfurt mit der Perspektive des wirtschaftlichen Wachstums in der Kooperation mit den Frankfurter Messemachern punkten. Dennoch, Berlin ist immer noch eine pulsierende Metropole, auch wenn die Stadt international etwas aus der Mode gekommen ist. Die Mainmetropole hätte es nach dem Krieg fast zu Hauptstadtehren gebracht, musste sich aber dem beschaulichen Bonn geschlagen geben. Ob Frankfurt das Zeug hat, Modehauptstadt der Republik zu werden, wird sich zeigen. Das ist kein Elfmeter für Frankfurt, aber schlecht stehen die Chancen nicht. Zumindest fußballerisch liegt die Hauptstadt im direkten Vergleich hinten.

Noch ein Wort zum Thema Nachhaltigkeit. Auch hier kommt es darauf an, was man damit macht und wie. Wenn Händler einzelne Pakete hin und her schicken statt ganze Lkw-Ladungen, scheint das auf den ersten Blick wenig nachhaltig, denn für jedes kleine Päckchen kommt gleich ein Kleintransporter angefahren, häufig arbeitet der Paketbote auch in einem prekären Arbeitsverhältnis. Aber es gibt inzwischen Lösungen, eine umweltfreundlichere Logistik aufzuziehen. Das ist auch dringend geboten, wenn wir täglich von bis zu 19 Millionen Päckchen überrollt werden. Aber wir haben auch ein Stück Normalität in der Corona-Krise zurückgewonnen: Wir werfen einen Blick auf die Kollektionen Frühjahr/Sommer 2021 des Menswear-Spezialisten Création Gross.

Ihr

Markus Oess