Gut behütet

In der Umkleide

Die Leinentuch-Mütze mit kurzer Kappe und Kordel sorgt für das gewisse Extra bei diesem Outfit. alle Bilder ©Dirk Moenkemüller

Autor: Dirk Mönkemöller
Unser Autor schlüpft jeden Monat in eine neue Haut und probiert modische Trends im Selbstversuch. Diesmal: das Comeback der Schiffermütze

Ich wollte schon immer mal …

Bei der nächsten Hafenrundfahrt in Hamburg werden die Leute voller Neid auf meine kölsche Schiffermütze glotzen.

… den Spagat zwischen Altkanzler Helmut Schmidt und dem zeitgemäßen Kleidungsstil junger Hipster schaffen. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Alles, was es dafür braucht, ist eine traditionelle Kopfbedeckung der Seeleute aus dem hohen Norden. Die sogenannte Schiffermütze wird im Volksmund auch Elbsegler genannt. Darüber hinaus gibt es den Altstädter, den Fleetenkieker, die Elblotsenmütze und die Prinz-Heinrich-Mütze. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Modellen sind fließend (pardon the wordplay) und können wohl nur von Experten bestimmt werden. Auf jeden Fall begegnet man der Schiffermütze als modisches Accessoire zuletzt immer häufiger.

Tattoos als Trendsetter

Seit sich die Tattoo-Kunst unter urbanen Youngsters weg von Tribals, geschwungener Typografie und aufwendigen, bunten Motiven hin zu schlicht-schwarzen Minimotiven entwickelt hat (Anker, Kreuze, Messer, Obst, Früchte et cetera), ist auch die klassische maritime Mode wieder en vogue: Shirts und Sweater mit Streifen in Azurblau, weite Denim-Hosen in Hellblau und sogar Latzhosen sind von Kiel bis Konstanz an der Tagesordnung. Die Leinentuch-Mütze mit kurzer Kappe und Kordel sorgt für das gewisse Extra bei diesem Outfit. Außerdem bietet sie im Sommer einen praktischen Schutz sowohl gegen Sonne als auch Regen.

Hutmacher am Rhein

Köln liegt nicht gerade nahe der Elbe.

Köln liegt nicht gerade nahe der Elbe. Aber trotzdem habe ich ein Geschäft in der Domstadt gefunden, wo ich perfekt zum Thema beraten werde. „Diefenthal 1905“ (ansässig im Friesenwall, was für ein Zufall) ist ein Hutmacher mit Tradition, der klassische Mützen und Hüte in Handarbeit herstellt. Obwohl ich nicht gerade ein Hutgesicht habe, stehen mir die Schiffermützen, die ich dort anprobiere, überraschend gut. Ich werde vortrefflich beraten und bekomme von der freundlichen Mitarbeiterin die jeweils passenden Größen rausgesucht. Ein toller Service. Den klassischen Elbsegler gibt es dort zwar nicht. Dafür aber eine ganz eigene Interpretation namens „Captain’s Cap“, die in verschiedenen Farben und Stoffen daherkommt.

Helmut-Schmidt-Moment

Spagat zwischen Altkanzler Helmut Schmidt und zeitgemäßen Kleidungsstil

Die Modelle, die ich anprobiert habe, sitzen locker-flockig auf meinem Kopf und sehen chic aus. Der Helmut-Schmidt-Moment, den ich mir gewünscht hatte, will sich zwar nicht wirklich einstellen – aber das ist kein Problem. Hier, weit entfernt vom Norden, kann ich gut mit der „Captain’s Cap“ leben. Die Mützen sind schließlich keine Schundware aus einem Souvenir-Shop an den Landungsbrücken, sondern handgefertigte Exemplare, die individuell und mit viel Liebe hergestellt werden. Ich bin mir sicher: Bei der nächsten Hafenrundfahrt in Hamburg werden die Leute voller Neid auf meine kölsche Schiffermütze glotzen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie entspannt und neugierig!