Change it

EDITORIAL

Markus Oess, Herausgeber ©FT

Nun herrscht Krieg und die Welt schaut auf seine schreckliche Fratze, auf Tod und Schrecken. Wehrlos ist die Welt nicht. Auch die Ukraine hat das Recht zur Selbstverteidigung, dabei ist es völlig gleichgültig, ob sie nun zur NATO gehört oder nicht. Inwieweit die Ukraine die Russen dank der Waffenhilfe aus dem Westen abwehren kann, ist völlig offen. Ob aber ausgerechnet Waffen das geeignete Mittel sind, Frieden zu schaffen? Wer Waffen in einen kriegerischen Konflikt schickt, muss damit rechnen, dass sie eingesetzt werden und Menschen töten. Und die atomare Abschreckung und das hochgerüstete Waffenarsenal der NATO haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin auch nicht davon abgehalten, Richtung Westen loszuwüten. Klar ist aber natürlich, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied ist und damit der Bündnisfall auch nicht eintritt. Was aber, wenn die Russen plötzlich Waffenlieferungen angreifen, vielleicht sogar bevor sie die Ukraine erreicht haben? Drohungen aus Moskau in diese Richtung wurden ja ausgesprochen und Putin wirkt, als wäre er aus den Koordinaten der internationalen Weltordnung gefallen. Eine weitere Eskalation des Konfliktes wäre die absolute Katastrophe, denn sie kann dazu führen, dass dieser Kontinent ausgelöscht würde. Das Thema, wie sinnvoll die Unterstützung der Ukraine mit Kriegsgerät ist, wurde medial schon ausreichend diskutiert und ich will nicht darüber urteilen, was die Menschen tun sollen, die auf so grässliche Art und Weise überfallen werden. Langfristig muss es jedenfalls gelingen, Putin nicht nur ernsthaft an den Verhandlungstisch zu bringen und ihn davon zu überzeugen, abzulassen von diesem Krieg. Noch besser wäre, ihn aus dem Amt zu bugsieren und wieder Demokratie nach Russland zurückzubringen, die diesen Namen auch verdient.

Wie auch immer, Putins Krieg ist und bleibt perfide und er wird die Weltordnung verändern. Es wird ein Vorher und ein Nachher geben. Und auch das scheint unausweichlich: Die militärischen Optionen kommen geostrategisch wieder auf den Tisch, mit der Folge, dass die Rüstung noch weiter angeheizt wird. Es wird Geld für Dinge ausgegeben, die unproduktiv sind und im Gegenteil zerstören. Keine schönen Aussichten. Aber es wäre naiv, sich der Fähigkeiten zu berauben, sich notfalls auch militärisch wehren zu können. Bei all den schlechten Nachrichten wäre es falsch, sich zu verkriechen und lauthals „Krise!“ zu schreien. Die Amerikaner sagen: Leave it, love it or change it. Lieben können wir diese Welt im Augenblick nicht, Gehen ist dann auch keine Option, also sollten wir sie ändern.

Ihr
Markus Oess