GermanFashion: Erholung im Jahr 2021

Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des deutschen Modeverbandes GermanFashion. Bild: ©Seidensticker

Bangladesch wird zum Gewinnerland

Wie der Industrie-Verband GermanFashion auf seiner diesjährigen Pressekonferenz mitteilt, ist das Jahr 2021 ist für die deutschen Bekleidungshersteller in Anbetracht der gesamten wirtschaftlichen Lage zufriedenstellend gelaufen. „Wir können für das gesamte Jahr 2021 ein leichtes Umsatzplus von 3 Prozent vermelden. Dies ist angesichts der herben Verluste im vorangegangenen Jahr sicherlich ein gutes Zeichen, doch das Vorjahresniveau von 2019 ist noch nicht wieder erreicht“, sagt Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des deutschen Modeverbandes GermanFashion. Erfreulich sei insbesondere, dass der Exportmotor wieder angelaufen ist und auf den wichtigsten Märkten der Branche ein Umsatzplus von 7 Prozent erzielt wurde.

Der Ukrainekrieg sei eine menschliche Katastrophe. Wirtschaftlich habe der Krieg eher geringere Auswirkungen. Die Geschäftsbeziehungen zu Russland und zur Ukraine seien bezogen auf alle Ex- und Importe auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau, auch wenn es im Einzelfall durchaus Abhängigkeiten gebe. Die Exporte nach Russland lagen im Jahr 2021 bei rund 380 Millionen Euro. Auf der Rangliste der wichtigsten Exportländer liegt Russland damit an 13. Stelle. Das ist weniger als noch vor der Krise im Jahr 2019, aber stabil zum Vorjahr. Nach Russland wurden damit 1,7 Prozent aller Exporte ausgeführt. „Nachdem in den letzten Tagen noch Unsicherheit vorherrschte, wie stark die Beeinträchtigungen wohl sein würden, herrscht nun ganz deutlich Klarheit darüber, dass es kein SWIFT mehr geben wird, auch eine Kreditversicherung wird nicht mehr möglich sein. Die Geschäftsbeziehungen mit Russland kommen zum Erliegen“, sagt Seidensticker.

Die zehn wichtigsten Exportmärkte liegen hingegen bis auf Polen (- 4 Prozent) und dem Vereinigten Königreich mit (- 12  Prozent als Folge des BREXITS) alle im Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Italien, Belgien und Spanien seien als kaufkräftige Märkte für die deutsche Modebranche wieder da, hei0ßt es weiter. Zu den Top Ten der Exportländer zählen Schweiz, Polen, Österreich, Frankreich, Niederlande, Italien, Belgien, Spanien, Tschechien und Vereinigtes Königreich.

Auch die Produktion zieht wieder an, so dass das Jahr 2021 die Importe um insgesamt 7 Prozent zulegten. „Der Gewinner in der Produktion heißt Bangladesch mit einem Zuwachs von 22 Prozent. Dies ist zum einen Resultat der Probleme, die unsere Mitglieder zurzeit in China haben, zum anderen hat sich in den Fabriken in Bangladesch sehr viel getan. Nachhaltigkeit wird abgebildet und auch deutsche Hersteller haben dort in Fabriken investiert. Das Land hat sich zu einer möglichen Fernostalternative entwickelt“, erklärt Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion.

China zeigt zwar ein leichtes Plus, aber nicht mehr auf dem Niveau wie in den vergangenen Jahren. Auch unsichere Länder wie Myanmar verlieren, ebenso die osteuropäischen Länder wie Bulgarien, Rumänien und Tschechien. „Die Produktion ist nicht nach Osteuropa zurückgekehrt“, sagt Seidensticker und verweist auf unpassende Investitionsbedingungen und fehlende Förderungen seitens der Regierungen. Auch die im Vergleich zu Asien höhere Lohnkosten und nicht ausreichende Infrastrukturen im Sinne der Vorproduktion sprächen gegen die Ansiedlung von Fabriken in diesen Ländern. Nach China sind die wichtigsten Importländer der Branche Bangladesch, Türkei, Italien, Indien, Vietnam, Pakistan, Kambodscha, Niederlande und Polen. Prozentual am meisten hat das Vereinigte Königreich verloren, eine weitere Folge des BREXITS.

Die Beschäftigtenzahlen bleiben laut des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei – 8 Prozent. Die Anzahl der Betriebsstätten sanken um weitere 9 Prozent. Dank der staatlicher Corona-Hilfen sei die befürchtete Pleitewelle indes ausgeblieben. Lediglich zwölf Firmen mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.

Abgesehen von der dramatischen und ungewissen Lage in Russland und der Ukraine gehen die deutschen Hersteller mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2022 und hoffen, gegen Ende dieses Jahres das Niveau von 2019 wieder erreichen zu können“, sagt Seidensticker.