Comeback gefährdet

Italien

Entsetzen über den Überfall auf die Ukraine ©Screenshot www.armani.com

Autorin: Angela Cavalca
Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat die Modewelt überwältigt. Die Exporte der italienischen Industrie, die letztes Jahr einen Wiederaufschwung erfahren hatten, werden erneut infrage gestellt.

2021 konnte die italienische Modeindustrie mit einem Wiederaufschwung rechnen, etwa plus 19 Prozent bei der Damenmode und plus 12 Prozent bei der Herrenmode im Vergleich zu 2020. Besonders dazu beigetragen haben die Exporte, darunter auch die nach Russland und die Ukraine. Das neue Szenario, das sich in den letzten Wochen abgezeichnet hat, deutet jedoch auf eine Instabilität in der Branche hin.

„Die Exporte des gesamten Modesektors nach Russland beliefen sich 2021 auf 1,4 Milliarden Euro, wovon etwa die Hälfte auf Bekleidung und der Rest auf Accessoires entfiel. Hinzu kommen etwa 250 bis 300 Millionen Euro an Einkäufen russischer Touristen in italienischen Einzelhandelsgeschäften“, erklärte der Präsident der italienischen Modekammer Carlo Capasa der Presseagentur Adnkronos. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber schwierig vorherzusagen, welche konkreten Auswirkungen der Krieg auf den Sektor haben werde. Der russische Markt macht in normalen Zeiten für die italienische Mode etwa 2 Prozent der Gesamtausfuhren aus. Das sind keine großen Zahlen, aber es gibt viele kleine Unternehmen mit ein paar Dutzend Beschäftigten, die nur auf den russischen Markt spezialisiert sind. Sie sind stark gefährdet, deshalb werden Unterstützungsmaßnahmen für die schwachen Glieder der Produktionskette erforderlich sein“, erklärte Capasa in der Tageszeitung La Repubblica.

Auch wenn der Modebereich von den Sanktionen der EU-Länder gegen Russland bisher ausgenommen war, wird die Branche betroffen sein. Schwierigkeiten bei den Zahlungen, die Abwertung des Rubels, die Unsicherheit der Verbraucher und die Einstellung der Flüge aus Russland sind Faktoren, die den Geldfluss in die italienischen Boutiquen verringern werden. Außerdem ist die Textilindustrie schon seit Anfang des Jahres durch die Steigerung der Energiekosten benachteiligt und stark gefährdet. Wenn die Situation noch kritischer werden sollte, könnte es bei verschiedenen Unternehmen der italienischen Textilbezirke auch deswegen zu Unterbrechungen in der Produktion kommen.

In diesem Zusammenhang fordert der EU-Verband der Textilindustrie EURATEX, der die ergriffenen Maßnahmen von den europäischen Ländern im ukrainisch-russischen Konflikt unterstützt, von der Europäischen Union Hilfeleistungen für die Industrien. Wie in einer Mitteilung hervorgehoben wird, brauchen die Unternehmen Zugang zu Energie zu vernünftigen Preisen, sei es durch Subventionen, die Abschaffung von Umweltabgaben oder der Mehrwertsteuer auf Rechnungen sowie Preisobergrenzen. Der Übergang zu erneuerbaren und saubereren Energiequellen muss beschleunigt werden, um eine geringere Abhängigkeit zu gewährleisten. Dies ist jedoch ein langwieriger Prozess, der nicht in den nächsten Monaten erreicht werden kann, deshalb wird dringend dazu geraten, die verfügbaren Optionen zu prüfen, um solche Marktschocks zu kontrollieren.

Derzeit hat aber Priorität, sich auf die Notsituation in der Ukraine zu konzentrieren und den Menschen Unterstützung zukommen zu lassen. Unter den Solidaritätsinitiativen der Branche haben viele italienische Modehäuser und Designer in Synergie nach dem Aufruf der Modekammer beschlossen, für ein hohes Spendenaufkommen an den UNHCR, die UN-Organisation für Flüchtlinge, zu sorgen.