Die Spielmacher

adidas AG

Der Start ins laufende Jahr 2022 ist insbesondere in den westlichen Ländern positiv verlaufen. Bedingt durch das herausfordernde Umfeld in Asien und die anhaltenden Lockdowns in wichtigen Regionen wurde hier die Entwicklung in den ersten drei Monaten deutlich ausgebremst. ©adidas

Autor: Alexander Langhorst
Anlässlich der Hauptversammlung am 12. Mai 2022, die wie im Vorjahr wegen der anhaltenden Pandemie erneut als virtuelles Aktionärstreffen abgehalten wurde, ging Konzernchef Kasper Rorsted unter anderem noch einmal auf die „Own the Game“-Strategie ein, welche bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden soll. Hierbei handelt es sich um eine Wachstums- und Investitionsstrategie, welche den Konsumenten in den Mittelpunkt des gesamten Handelns des Unternehmens stellt. Zudem wird auch der Sport als Erbe und Identität von adidas dabei untermauert und betont.

„Für 2023 gehen wir von einer weiteren Fortsetzung des Wachstums und tendenziell auch wegfallenden Effekten aus Lockdowns in China aus.“ Alexander Langhorst ©GSC Research

Der im fränkischen Herzogenaurach ansässige adidas-Konzern ist einer der weltweit größten und führenden Anbieter von Sportartikeln. Das Produktsortiment des DAX-Konzerns umfasst dabei Sportschuhe, Bekleidung und verschiedenes Zubehör. Nach dem in 2021 angekündigten und im Frühjahr 2022 auch formell vollzogenen Verkauf der Aktivitäten der US-Marke Reebok werden die Artikel nunmehr unter der Marke adidas vertrieben. Die Angebotspalette ist dabei sehr breit, sie besteht aus einer großen Zahl unterschiedlichster Artikel und richtet sich an Spitzensportler, zugleich umfasst sie aber auch Freizeitbekleidung für Amateure, bei denen die jeweils aktuellen Modetrends abgebildet werden. Somit werden von ausgewählten Nischenmärkten bis hin zum Massenmarkt alle relevanten Segmente abgedeckt. Die Entwicklung der Produkte findet ebenfalls durch adidas statt. Bereits seit Längerem legt der Konzern dabei auch hohen Wert auf Innovationen auf der einen Seite, hat zugleich aber auch die Aspekte der Nachhaltigkeit im Auge.

„Own the Game“

Ein wichtiger Bestandteil der Wachstums- und Investitionsstrategie „Own the Game“, auf die Konzernchef Rorsted auf der Hauptversammlung noch einmal einging und die bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden soll, ist auch das Themengebiet Nachhaltigkeit. So wird angestrebt, dass bis 2025 insgesamt neun von zehn Artikeln nachhaltig sein sollen. Bei den Treibhausgasemissionen wird eine Reduktion um 15 Prozent pro Produkt angestrebt. In den eigenen Gebäuden und Läden ist es bis dahin erklärtes Ziel, klimaneutral zu operieren. Zur Erreichung dieser Ziele wird das Angebot an Produkten aus nachhaltigen Materialien erhöht, zudem werden Produkte auf den Markt gebracht, die komplett recycelt werden können. Auch nachwachsende Rohstoffe werden als neue Materialien zur Herstellung von Produkten genutzt. Hierzu ist adidas in 2021 gezielt strategische Partnerschaften mit den Firmen SPINNOVA, INFINITED FIBER und POND eingegangen. Alle diese Firmen stellen Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen oder recycelten Abfällen her. Bereits Ende 2021 waren sieben von zehn Artikeln im Programm nachhaltig. In seiner Rede wies Rorsted darauf hin, dass keine andere Sportmarke ein so umfassendes Nachhaltigkeitskonzept wie adidas besitzt und dieses auch konsequent umsetzt und weiter ausbaut. Dies sollte sich nach Einschätzung von GSC Research mit Blick auf etwaige Reputationsrisiken künftig dann auch für die Arbeitsbedingungen und Vergütungen von Mitarbeitern bei Zulieferern im Ausland auswirken, nachdem hier im Umfeld der diesjährigen Hauptversammlung durchaus auch Kritik an adidas aufgekommen ist.

Der Start ins laufende Jahr 2022 ist insbesondere in den westlichen Ländern positiv verlaufen. Diese konnten währungsbereinigt um 13 Prozent zulegen, das Wachstum in EMEA lag bei 9 Prozent und in Lateinamerika bei 38 Prozent. Bedingt durch das herausfordernde Umfeld in Asien und die anhaltenden Lockdowns in wichtigen Regionen wurde hier die Entwicklung in den ersten drei Monaten deutlich ausgebremst. Neben den direkten Auswirkungen auf den geschlossenen stationären Handel in den betroffenen Regionen ergeben sich auch weitere Effekte aus Verzögerungen in den Lieferketten und bei der Logistik, die sich ebenfalls im Zahlenwerk niedergeschlagen haben. Die Bruttomarge ging daher um 1,9 Prozentpunkte auf 49,9 Prozent zurück. Insgesamt musste beim Umsatz ein Rückgang um währungsbereinigt 3 Prozent im Vorjahresvergleich verzeichnet werden. Die Umsatzeffekte aus Engpässen in der Lieferkette beliefen sich dabei auf rund 400 Millionen Euro. Das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft beläuft sich auf 310 (502) Millionen Euro, woraus sich ein Ergebnis je adidas-Aktie von 1,60 (2,60) Euro ableitet.

Wie bereits anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen am 6. Mai 2022 dargelegt, hat adidas die Prognose fürs laufende Geschäftsjahr angesichts der anhaltenden Lockdowns in China etwas angepasst. Diesen angepassten Ausblick bestätigte Unternehmenschef Rorsted anlässlich der virtuellen Hauptversammlung am 12. Mai nochmals ausdrücklich. Demnach wird nunmehr für 2022 mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg zwischen 11 und 13 Prozent gerechnet, wobei man hier einen Zuwachs eher am unteren Ende der Bandbreite erwartet. Zudem wird der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten in einer Größenordnung zwischen 1,8 und 1,9 Milliarden Euro erwartet. Die Bruttomarge dürfte sich in etwa unverändert auf dem Vorjahresniveau von 50,7 Prozent bewegen, nachdem hier bisher eine Bandbreite von 51,5 bis 52,0 Prozent angepeilt worden ist. Ausgehend von dieser Unternehmensguidance sieht GSC Research den Umsatz in 2022 in etwa bei 23,5 Milliarden Euro, das EBITDA sollte sich in Richtung von etwa 3,6 Milliarden Euro und das EBIT in Richtung 2,45 Milliarden Euro bewegen. Ausgehend von dem daraus abgeleiteten Ergebnis je Aktie von etwa 9,20 Euro ergibt sich auf Basis des aktuellen Aktienkurses ein erwartetes 2022er-KGV von 19,3.

Für 2023 gehen wir von einer weiteren Fortsetzung des Wachstums und tendenziell auch wegfallenden Effekten aus Lockdowns in China aus. Das Umsatzvolumen sollte die 26-Milliarden-Euro-Marke erreichen bei einem auf etwa 4,2 Milliarden Euro verbesserten EBITDA und einem EBIT in Höhe von annähernd 3 Milliarden Euro. Ausgehend hiervon sollte sich das Ergebnis je Aktie in Richtung von 11,75 Euro erhöhen. Damit ergibt sich ein erwartetes 2023er-KGV von etwas unter 16. Bei der Dividende sehen wir nach den aktuell gezahlten 3,30 Euro für das Jahr 2021 fürs Geschäftsjahr 2022 Steigerungschancen in Richtung 3,70 Euro und für 2023 auf bis zu 4,50 Euro. Damit könnte sich die aktuelle Dividendenrendite von 1,75 Prozent auf bis zu 2,50 Prozent verbessern. Den fairen Wert der adidas-Aktie sieht GSC Research im Bereich eines erwarteten 20er-KGVs für das Jahr 2023, woraus sich ein Kursziel von 235 Euro und eine „Kaufen“-Empfehlung ableiten. Insbesondere der jüngste Kursrückgang auf 180 Euro stellt hier besonders für den längerfristig orientierten Investor eine attraktive (Nach-)Kaufchance dar.