Galeria: ver.di ruft zu weiteren Streiks auf

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Verhandlungen

Im Insolvenzverfahren für Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) sollen 49 Filialen geschlossen werden. Die Gewerkschaft ver.di will dabei um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Auch bei den bleibenden Beschäftigten drohten Einschnitte, teilt die Gewerkschaft mit. „Das Galeria-Management will Niedriglöhne und flexible Arbeitszeiten durchsetzen. Als Reaktion der Beschäftigten kommt es zu regionalen Warnstreiks“, heißt es dazu. Mit diesen Vorstellungen seien die GKK-Vertreter in die dritte Tarifrunde am 28. März gekommen. ver.di-Verhandlungsführer Marcel Schäuble betonte, dass die Galeria-Beschäftigten rund 15 Prozent weniger Geld bekommen, als nach den Flächentarifverträgen üblich. „Wegen dieser Differenz und des durch die Preissteigerungen verursachten Reallohnverlustes sind positive Entgeltentwicklungen elementar“, sagte er. Demgegenüber schloss das GKK-Management in dieser Verhandlungsrunde eine Rückkehr in die Flächentarifverträge aus und präsentierte Eckpunkte für einen Haustarifvertrag. Danach sollen die aktuellen Löhne und Gehälter drei Jahre lang nicht erhöht werden, lediglich neue variable Entgeltbestandteile, die von den Umsätzen abhängen, könnten das Einkommen geringfügig erhöhen. Darüber hinaus möchte die Geschäftsführung nach überstandener Insolvenz eine Entgeltstruktur einführen, die nach Beschäftigtengruppen und Berufserfahrung unterscheidet.

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„Die Bundestarifkommission bewertet die Pläne des Arbeitgebers als respektlos und unverschämt“, wettert ver.di-Verhandlungsführer Marcel Schäuble. Auch bei den Themen Arbeitszeit, Urlaub, Probezeit und Kündigungsfristen wolle das Management den Mitarbeiter*innen eine Menge zumuten. So solle die Jahresarbeitszeit komplett flexibel auf die Wochen umgelegt werden, so dass bei gutem Geschäftsbetrieb mehr, während einer Flaute weniger gearbeitet würde. Urlaub, Probezeit und Kündigungsfristen sollten nach den Arbeitgebervorstellungen unterschieden werden nach Voll- und Teilzeitbeschäftigten, Aushilfen, Auszubildenden und Werksstudierenden. Auch sollten sachgrundlos befristete Arbeitsverträge per tariflicher Regelung verlängert werden können. So sei die dritte Tarifrunde schnell beendet gewesen. Beim nächsten Verhandlungstermin, der voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte stattfinden wird, müsse das Management den Beschäftigten und ihren gewerkschaftlichen Vertreter*innen deutlich entgegenkommen. Für die Fehlentwicklungen bei Galeria, die zu zwei Insolvenzen innerhalb von zweieinhalb Jahren geführt hätten, seien Fehler des Managements verantwortlich. Doch nun sollten die Beschäftigten einmal mehr für diese Fehlplanungen bezahlen.

Zudem wurden weitere Details über die Abläufe nach Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Sanierungsplan bekannt. So soll allen von Kündigung betroffenen Galeria-Kolleg*innen die Möglichkeit angeboten werden, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, wo sie ein Jahr lang analog zu den Flächentarifverträgen bezahlt werden. Da für einige Filialen inzwischen eine Übernahme durch die Textilkette Aachener feststeht, will ver.di für die dort Beschäftigten einen Betriebsübergang nach Paragraf 613 a des BGB durchsetzen und außerdem eine Sozialplanpflicht für den übernehmenden Betrieb. Um mehr Druck in die festgefahrenen Tarifverhandlungen zu bringen ruft ver.di seit Ostern Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) in verschiedenen Bundesländern zu ersten regionalen Warnstreiks auf. Allein Ostersamstag folgten bundesweit rund 1000 Beschäftigte dem Aufruf. Am Mittwoch nach Ostern ruhte die Arbeit wegen der Warnstreiks in Filialen in Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. „Es geht um die Zukunft der Menschen bei Galeria“, sagte das für den Handel zuständige ver.di-Vorstandsmitglied Steffi Nutzenberger, „und Zukunft heißt, dass sie sichere Arbeitsplätze zu guten tariflich abgesicherten Bedingungen haben.” Die Tarifverhandlungen sollen Ende April fortgesetzt werden. Zudem kämpft ver.di weiter gemeinsam mit aktiven Kolleg*innen um den Erhalt der von Schließung bedrohten Häuser. Die zweite Runde der Tarifverhandlung zwischen ver.di und dem Galeria-Konzernmanagement war am 27. Februar ohne Ergebnis zu Ende gegangen

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