DIHK: Wirtschaft im Seitwärtsschritt

Ilja Nothnagel ©DIHK

Konjunkturumfrage

Die Wirtschaft in Deutschland tritt auf der Stelle, teilt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter Berufung auf deren aktuelle Konjunkturumfrage mit. Befragt wurden bundesweit rund 21.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen. „Der seit Jahresbeginn zu befürchtende Seitwärtstrend setzt sich fort. Anzeichen für einen breiten Aufschwung fehlen weiterhin“, sagt das für Konjunkturanalysen zuständige Hauptgeschäftsführungsmitglied Ilja Nothnagel. „Die Unternehmen zeigen sich trotz der weiterhin hohen Energiepreise, der steigenden Zinsen und des Krieges in der Ukraine zwar bemerkenswert widerstandsfähig. Der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate bleibt aber insgesamt trübe – zumal auf der Nachfrageseite die Auftragseingänge spürbar nachlassen. Die DIHK geht in diesem Jahr weiterhin von einem Null-Wachstum aus.“

Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen in Deutschland bleibe trotz leichter Verbesserungen ohne Dynamik. „Bei den Geschäftsrisiken treten neben den konjunkturellen Risiken für die Unternehmen vor allem die langfristigen, strukturellen Herausforderungen für die Wirtschaft weiter in den Vordergrund.“ Größtes Risiko sind immer noch mit leicht abnehmender Tendenz die Energie- und Rohstoffpreise. Aktuell sehen darin knapp zwei Drittel der Betriebe (65 Prozent) ein Risiko, nach 72 Prozent zum Jahresbeginn. Zusehends rücken auch der Fachkräftemangel und die Arbeitskosten in den Vordergrund. Drei von fünf Unternehmen (62 Prozent nach zuvor 60 Prozent) geben Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko an. Das ist ein Höchstwert, der lediglich im Herbst 2018 schon einmal erreicht worden ist. Im Dienstleistungssektor wird der Fachkräftemangel mittlerweile wieder als häufigstes Risiko genannt und hat dabei das Risiko der Energie- und Rohstoffpreise überholt. „Der Fachkräftemangel stellt mittlerweile das zweitgrößte Geschäftsrisiko der Unternehmen dar“, sagt Nothnagel. „Angesichts der Alterung der Gesellschaft wird der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften eine der wesentlichen strukturellen Herausforderungen für die Unternehmen in Zukunft bleiben.“

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Die Geschäftserwartungen haben sich mit Blick auf die nächsten Monate im Frühsommer leicht aufgehellt, sind aber immer noch sehr verhalten. Der Saldo (die Differenz zwischen den guten und den schlechten Erwartungen) steigt von minus 14 Punkte auf minus fünf Punkte. „Der Grund für die leichte Verbesserung ist, dass sich die Energiepreise stabilisiert haben und zuletzt sogar gesunken sind. Zudem nehmen Lieferengpässe ab”, sagt Nothnagel. „Wir bewegen uns noch immer deutlich unter dem langjährigen Schnitt von plus fünf Punkten. Es sind weiterhin mehr Unternehmen pessimistisch als optimistisch.”