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„Wir alle leben im Modus ‚Noise Reduction‘“

ALBERTO

Diesmal wählte ALBERTO Richard Neutras Haus Kemper als Kulisse für das Shooting FS 2025 aus. ©Alberto

Autor: Markus Oess
Ruhe tut gut, zu viel Ruhe bremst uns aus. Marco Lanowy, Geschäftsführer des Hosenspezialisten ALBERTO, ist mit seiner Marke gut unterwegs. Er betrachtet die Pitti als gute Basis für internationales Wachstum, sieht aber auch die Cast und CIFF als wichtige Fixpunkte im internationalen Geschäft. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wir haben Marco gefragt.

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„Wir brauchen eine neue Sichtweise. Vielleicht müssen wir wieder genauer zuhören und zusehen.“  Marco Lanowy ©Alberto

FASHION TODAY: Marco, mit welchen Erwartungen fährst du im Juni zur Pitti?
Marco Lanowy: „Wir beide wissen sehr gut, dass die Pitti die einzige internationale Menswear-Messe von Bedeutung ist. Ich freue mich darauf, unsere Handelspartner wiederzusehen und unsere Kollektion vorzustellen. Entsprechend positiv sind meine Erwartungen. Wir werden eine gute Sommerausgabe der Pitti erleben.“

Ein „Pitti-Jahr“ ist rum, wie fällt die Bilanz aus?
„Ein gutes Investment für uns! Wir erleben einen Saisonstart voller Eindrücke und Inspirationen für unsere Marke und messen uns gleichzeitig mit den Besten auf internationalem Niveau. Hier können wir Modernität und Innovation zeigen und den Beweis antreten, dass wir auch auf diesem Niveau mithalten. Und wir gewinnen hier auch neue Kunden.“

Was werdet ihr diesmal zeigen?
„Wir schreiben die Geschichte von ALBERTO fort. Unsere Kollektion trägt den Titel ,… and the living is easy’ und drückt eine positive Grundstimmung gegenüber der Zukunft aus. Wir arbeiten weiterhin mit innovativen Stoffen und neuen Silhouetten. Neben Labelklassikern im neuen Gewand zeigen wir eine breite Range frischer, Homewash-kompatibler Chinos, Jeans, Shorts und Modern Business Pants – und das mit gewohnter Schnittführung sowie besonderen Treatments und modischen Knopf- und Futterfarben.“

Ihr habt mit ALBERTO erste Gehversuche in Italien gemacht, wie ist es gelaufen?
„Das ist richtig. Über die Pitti ist es uns gelungen, mit einer neuen Agentur, MILESTONE Italy SrL aus Schio, zusammenzukommen, die mittels weiterer Unteragenten den kompletten italienischen Markt abdecken wird. Nach einigen vielversprechenden Tests in der Vergangenheit gehen wir jetzt in den Roll-out. Ich verspreche mir einen merklichen Impuls für unser Geschäft, bislang waren wir mehr oder weniger nur mit unseren Golfpants vertreten.“

Wie geht es jetzt weiter?
„Wir haben bereits eine Anzahl kaufender Kunden im Land und wissen, dass die italienischen Händler gerade unseren Service, unsere System- und Lieferstärke schätzen. Italien ist, was die Mode angeht, ein anspruchsvoller Markt. Aber wir können nicht nur mithalten, sondern bieten mit den genannten Pluspunkten Add-ons, die überzeugen. Mit dem Sommer wird das Geschäft nun richtig anlaufen und wir werden Schritt für Schritt den Markt entwickeln. Der Sommer ist ideal zum Start.“

Easy …

Ihr seid Hosenspezialisten. Gibt es den globalen Mainstream oder sind die Länder doch verschieden, was den Geschmack und auch die Preissensibilität angeht?
„Globaler Mainstream bei Hosen? Bequemlichkeit. Das ist ein Muss. Aber Aspekte wie Stoffe, Schnitte, Funktion, Innovation machen eine Hose erst besonders. Natürlich haben wir eine Schnittmenge, mit der wir alle arbeiten. Daneben existieren aber Eigenheiten in jedem Markt. Mal werden mehr Denims gekauft, mal mehr Five Pockets oder Chinos, mal geht es um Farben. Wir haben den Vorteil als Spezialist, dass wir auf alles eine Antwort haben oder finden. Und was die Preise angeht, untermauern wir nötige Anpassungen immer mit einem Zusatznutzen, sei es in der Qualität, sei es bei den Details.“

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Ihr seid außerdem auf der CIFF und der Cast. Was läuft da?
„Die CIFF ist gesetzt, was unser Business angeht. Aber Skandinavien ist für uns ein immens wichtiger Markt. Und aktuell läuft es wirklich gut für uns im Norden Europas. Die Cast punktet mit der Vorgabe, das Produkt in den Mittelpunkt der Messepräsenz zu stellen, weil alle Marken dank der Einheitsstände mit den gleichen Eckdaten arbeiten. Ich finde das sehr charmant. Und auch hier gilt: Benelux ist ein wichtiger Markt für uns und auch hier läuft es sehr gut. Ich komme gerade aus Antwerpen, wo wir unsere neue Agentur BRANDZ mode agenturen besucht haben. Ein absolut lohnenswerter Besuch. Ich bin sicher, wir werden an die Erfolge der Vergangenheit nahtlos anknüpfen.“

„ALBERTO funktioniert wie Apple. Du kannst die Hose nutzen für den Zweck, den sie erfüllen soll.“

 Du sprichst auch viel mit internationalen Händlern. Was sagen die denn über Deutschland und die schlechte Stimmung im Land?
„Ehrlich gesagt gar nicht so viel, sieht man von den angrenzenden Märkten wie Österreich oder der Schweiz ab, die uns einfach kulturell und sprachlich nah sind. In den übrigen Ländern beschäftigt man sich lieber mit den eigenen Dingen. Was mir aber auffällt, ist, dass im Gegensatz zu Deutschland die Konditionen das Gespräch nicht beherrschen. Im Ausland sprechen wir meist zunächst über Produkt, Absatzchancen und Konzepte. Ist das ausformuliert, geht es auch um Konditionen. Aber ganz ehrlich, am Ende des Tages sprechen wir über eine kleine Geldsumme, die wir sinnvollerweise besser in die gemeinsame Kommunikation zum Kunden und in Kundenbindung – und damit meine ich ausdrücklich den Handel und uns als Marke – investieren.“

Brauchen wir klischeehaft gesagt mehr südländische Lebensfreude oder mehr US-amerikanischen Optimismus oder einfach weniger „German Angst“?
„Wir brauchen eine neue Sichtweise. Vielleicht müssen wir wieder genauer zuhören und zusehen. Wir alle leben im Modus ,Noise Reduction‘. Das heißt, wir schließen alle Details und Nebengeräusche in unserer Wahrnehmung aus, dabei machen gerade diese Dinge das Leben bunt und vielfältig. Wenn wir uns nur noch in unserem eigenen Resonanzraum bewegen, beschränken wir uns auf uns selbst. Das ist wohl kaum die beste Idee, oder? Wir sollten uns nicht kleiner machen, als wir wirklich sind. Vieles läuft gut und ist richtig. Allerdings wünsche ich mir weniger Bürokratie und wieder mehr Gestaltungsfreiräume, die unsere Schaffenskraft einfach braucht, um Dinge voranzubringen. Eine neue Leichtigkeit des Seins. Deswegen auch der Titel unserer Kollektion.“

Michael Röther hat sinngemäß im FT-Interview gesagt, der Markt sei gar nicht so schwierig, bei einem Volumen von fast rund 68 Milliarden Euro sei er groß genug. Man muss nur machen und das richtig. Was sagst du?
„Er hat absolut recht. Ich schätze Michael sehr, weil er mit Verstand und klarem Konzept agiert.“

 Was rechnest du dir aus von dieser Order?
„Ich tue mich immer schwer, irgendwelche Pluszahlen rauszuhauen. Nicht weil wir keine vorweisen können, sondern weil andere Fragen doch wichtiger sind und über unsere Zukunft entscheiden. ALBERTO funktioniert wie Apple. Du kannst die Hose nutzen für den Zweck, den sie erfüllen soll. Mit neuen ,Apps‘, damit meine ich Funktion, Innovation oder Modernität, machst du die Hose zu etwas Besonderem, weckst den Wunsch, sie zu besitzen. Solange uns das gelingt, mache ich mir keine Sorgen über die anstehende Order.“ 

Summertime

Summertime, ein Wiegenlied der „American Folk Opera“ Porgy und Bess von George Gershwin. Dort heißt eine Liedzeile „… and the living is easy“, die Head der Kollektion Frühjahr/Sommer 2025. Seit vielen Jahren shooten die Mönchengladbacher ausschließlich in Deutschland (#coolgermany) und wurden für ihre Arbeit auch ausgezeichnet. Diesmal wählte ALBERTO Richard Neutras Haus Kemper als Kulisse aus. Das Wuppertaler Haus ist ein Wohnhaus mit Geschichte. Zwischen 1965 und 1967 von dem Architekten Richard Neutra unter dem Leitgedanken der Verschmelzung von Natur und Wohnraum mit raumhohen Glasfronten, Schiebeelementen und großzügigen offenen Wohnbereichen entworfen und realisiert, wurde es im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut. Manfred und Sarah Hering, die das Gebäude 2016 erwarben, ist es zu verdanken, dass das Haus nach einem umfangreichen Rückbau nun wieder in seiner ursprünglichen architektonischen Form erstrahlt.