Autor: Markus Oess
CEO Dieter Holzer und CPO Gordon Giers von der Hamburger Denim- und Hosenmarke CLOSED sprechen im Gespräch mit FASHION TODAY MEN über die Erwartungen an die kommende Orderrunde, den geplanten Ausbau der Menswear und die Rolle von Denim und Hosen aus italienischer Fertigung als Kern der Kollektion. Acht Monate nach dem Neustart unter neuen Eigentümern zum 1. November 2025 zeigen sich beide zuversichtlich für die weitere Entwicklung der Marke.

FASHION TODAY MEN: Herr Holzer, wie läuft es im Augenblick?
Dieter Holzer: „Wir sind wirklich zufrieden und sind weiter dabei, den Transformationsprozess von Closed NewCo voranzutreiben. Und auch wenn noch nicht alles zu 100 Prozent steht, sind wir gut unterwegs und ich bin zuversichtlich, was die anstehende Order angeht. Die Reaktionen, die wir bislang erfahren haben, sind durchweg positiv. Wir haben die Kollektionen und die Inhalte weiterentwickelt und laufen nach Plan. CLOSED als Marke ist ein starker Magnet und wir gehen gestärkt in die nächste Order. Unsere Kompetenz liegt bei Denim und Hosen. Beides bildet für uns die solide Basis für ein ordentliches Geschäft. Gleichzeitig steht CLOSED für Innovation. Nun wollen wir die nächsten Schritte angehen. Ebenso was das Geschäft in den Läden und auf der Fläche angeht, sind wir nicht unzufrieden – wir liegen im Forecast.“
Herr Giers – im August 2025 meldete CLOSED Insolvenz an. Was war rückblickend die Ursache? Haben Sie da neue Erkenntnisse gewonnen?
Gordon Giers: „Natürlich war das für uns eine schwere Zeit und ich bin dankbar, dass wir mit Closed NewCo in der neuen Eigentümerkonstellation schnell wieder auf die Füße gekommen sind. In der Zeit vor der Insolvenz ist einiges schiefgelaufen. Die Kostenstruktur ist uns über den Kopf gewachsen. CLOSED war zwar immer gut aufgestellt, gleichwohl haben wir auch strategische Fehler gemacht.“
Sind alle Lasten der Vergangenheit nun endgültig aufgearbeitet?
Holzer: „Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL kümmert sich um die Vergangenheit. Die Closed NewCo ist für die Zukunft verantwortlich und wir richten den Blick nach vorne. CLOSED wird geliebt und hat sehr viel Potenzial und die Entwicklungen auf der Fläche – im eigenen Retail, im Wholesale wie auch im Onlinehandel – zeigen wieder nach oben.“
Herr Holzer, Sie sind am 1. November 2025 als CEO gestartet. Was waren Ihre wichtigsten Maßnahmen in den ersten Wochen?
Holzer: „Wir haben ein sehr engagiertes Team und eine tolle Firma vorgefunden. Die Substanz ist gesund und aus diesem Grunde haben wir uns auch für den Einstieg entschieden. Natürlich haben wir zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht und die Weichen für die kommenden Ordersaisons gestellt, um das operative Geschäft abzusichern. Wir haben operativ gar nicht mal so viel verändert, weil die Firma an sich gut funktionierte. Wir sind jetzt mit der ersten komplett neuen Kollektion an den Start gegangen und haben hier einige strategische Korrekturen vorgenommen. Zum einen haben wir die Menswear weiter gestärkt, um schlummerndes Umsatzpotenzial zu heben. Wir haben auch nach unten die Preislagen etwas nachgeschärft, um unsere Marktposition stärker abzustützen. Gleichzeitig haben wir die Innovation im oberen Preissegment erhöht. Aufbauend auf unsere Kernkompetenzen Denim und Hosen werden wir die Kollektionen breiter aufstellen. Das Angebot ist ein echtes Pfund und ich bin überzeugt, dass wir mit der DOB und der HAKA in absehbarer Zeit unsere Marktrelevanz weiter erhöhen werden. Wir haben auch alle anderen Produktgruppen und Kollektionselemente weiterentwickelt. Und wir haben in die Nachversorgung investiert, weil wir überzeugt sind, dass wir mit einem starken Service im Handel punkten können. Das heißt, wir halten Seasonal NOS in der Nachversorgung etwa im Bereich von Denims, Basics, T-Shirts, Pants. Dieses Angebot werden wir Saison für Saison professionalisieren und weiterentwickeln.“
Giers: „Viel verspreche ich mir auch vom merklichen Ausbau der Menswear, die Kollektion ist in allen Produktkategorien sehr innovativ und wettbewerbsfähig. CLOSED Men erfährt von Kundenseite viel Nachfrage. Mit unserem Angebot können wir diese jetzt besser bedienen.“
Wie teilen sich Menswear und Womenswear auf – und wie weit kann Menswear weiter ansteigen?
Giers: „Aktuell sind es 80 zu 20 zugunsten der Damen. Wir sehen Potenzial für einen Menswear-Anteil von 30 bis 40 Prozent – aber natürlich nicht von heute auf morgen.“
Wie viele Stores betreibt CLOSED heute?
Holzer: „Aktuell steht der Retail für 30 Prozent des Umsatzes, ebenso wie das Onlinegeschäft. Der Wholesale macht 40 Prozent aus. Wir führen 22 Full Price Stores und 4 Outlets, alle arbeiten profitabel. Wir haben gut geführte und gut gelegene Standorte. Wir betrachten auch den Onlinekanal als stabile Business Unit. Natürlich bleibt der Wholesale ein zentraler Baustein unseres Geschäftsmodells. Unsere Aufgabe ist es, mit einem perfekten Service und Nachversorgung die Distribution auf der Fläche abzusichern. Wir sind mit unseren Showrooms in New York, Paris, Mailand, Los Angeles, Antwerpen und Amsterdam auch international sehr gut aufgestellt und können mit einer fokussierten, schlanken Organisation sehr schlagkräftig agieren.“
Sind dann auch Messen bald wieder ein Thema, etwa die Pitti, wo CLOSED ja ausgestellt hatte?
Holzer: „Die Pitti Uomo ist sicherlich eine Option, aber nicht Priorität eins im Augenblick. Das kann aber zu einem späteren Zeitpunkt passieren.“
Wahrscheinlich geht es jetzt aber erst einmal um die Konsolidierung der bestehenden Aktivitäten auch im Ausland, oder?
Holzer: „Absolute Priorität ist, dort, wo wir sind, unsere Relevanz weiter auszubauen. Wir bedienen den profilierten hochwertigen Handel in DACH, Italien, Frankreich, Holland, Belgien und Skandinavien und in den USA. Darüber hinaus findet man CLOSED-Produkte in internationalen Department Stores wie zum Beispiel Galeries Lafayette in Mumbai, Dubai oder Hongkong.“
Das Kernprodukt – Hose und Denim aus italienischer Fertigung – soll in Kompetenz und Sichtbarkeit gestärkt werden. Was heißt das konkret für die Kollektion?
Giers: „Hosen und Denim aus italienischer Fertigung bleiben das Fundament unserer Kollektion und unserer Marke. Wenn wir die Kompetenz und die Sichtbarkeit auf der Fläche stärken, heißt das in letzter Konsequenz, dass wir diese Produkte auch wieder sichtbarer auf die Fläche bringen müssen. Daran haben wir in der Kollektion entsprechend gearbeitet und Denim/Pants in den Mittelpunkt der Kollektion gestellt.“
Holzer: „Sicher haben wir in der Beschaffung einen wichtigen Hebel. Aber auch das geht nur bis zu einem gewissen Grad. Für uns bleibt es ein entscheidender Faktor, dass wir einen großen Teil unserer Ware in Italien fertigen lassen. Allerdings lassen wir auch einen kleineren Teil – Outerwear und Strick zum Beispiel – in Asien produzieren, um preislich wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir arbeiten mit langjährigen Partnern in Italien zusammen. Daneben nutzen wir auch Fertigungen in Portugal, Rumänien und für Denim auch in der Türkei. Die Einstiegspreislagen in der DOB liegen bei rund 180 Euro. Unsere aktuell meistverkaufte Jeans kostet 320 Euro. Das zeigt, dass wir im Premiumsegment sehr gut funktionieren. Bei den Herren liegen die Preise etwas darunter. CLOSED positioniert sich im Segment Affordable Luxury. Wir haben, wie schon erwähnt, unseren Preiseinstieg etwas geschärft, um breiter im Markt auftreten zu können.“
Wie würden Sie die Kollektion kurz beschreiben?
Giers: „Wir haben in der DOB die Kollektion sogar etwas vergrößert und in Teilen leicht neu gewichtet. Bei den Herren fahren wir aktuell noch eine Zweierkollektion, werden dies aber ab Herbst 2027 (Start November) auf vier Kollektionen pro Jahr umstellen – also Pre-Collection und Main Collection. Wir sehen in der Menswear eine große Chance, zusätzlichen Umsatz zu generieren.“
Rund 40 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Wholesale. Was erwarten Sie von der Orderrunde?
Holzer: „Wir gehen sehr gut vorbereitet in die kommende Order – mit einer starken Kollektion. Ich gehe davon aus, dass es eine gute Order für uns werden wird. Ich bleibe dabei: CLOSED hat mittel- bis langfristig auf jeden Fall das Potenzial, sehr relevant zu werden – über alle Länder hinweg und über alle Kanäle. Wir werden wachsen, aber profitabel und Schritt für Schritt. In unserer Wachstumsstrategie nimmt der Wholesale eine zentrale Rolle ein. Aktuell betreiben wir rund 30 Shop-in-Shop-Flächen und wir arbeiten an einem neuen Konzept, das wir dann sukzessive im Handel umsetzen werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns in unserem Wettbewerbsumfeld gut halten können und wir als stabiler und leistungsfähiger Anbieter viel für unsere Partner tun können. Viele Händler sind offen für Neues und prüfen neue Optionen.“
Giers: „CLOSED steht seit 1978 für Glaubwürdigkeit, Handwerk, Qualität und Innovation, für Topqualität, einen klaren Look und eine sehr gute Passform. Wir haben eine klare Formen- und Markensprache und werden unsere Mode in alter Stärke insbesondere im Denim- und Hosen-Bereich mit einer klaren Botschaft auf die Fläche bringen. Im Outfit von CLOSED sieht man immer gut aus. Ich denke, das macht den Unterschied.“
Hintergrund
CLOSED hatte im August 2025 Insolvenz angemeldet. Der im Juli 2025 gestartete Investorenprozess wurde am 6. Oktober 2025 mit der notariellen Beurkundung der Verträge abgeschlossen; Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus von der Kanzlei BRL sprach von einem „schnellen Investorenprozess mit vielen Interessenten“. Neue Eigentümer der eigens gegründeten Closed NewCo GmbH sind die Unternehmerfamilie Böck (74,9 Prozent) und Modemanager Dieter Holzer (25,1 Prozent), der zugleich die Position des CEO übernahm. Die bisherigen Geschäftsführer Gordon Giers (CPO) und Til Nadler (CSO) blieben im Unternehmen. Nach Freigabe durch das Bundeskartellamt und Erfüllung aller weiteren Bedingungen vollzog CLOSED am 1. November 2025 den Neustart unter der neuen Eigentümerstruktur. Das Unternehmen bleibt eigenständig, beliefert weiterhin Handelspartner und betreibt Brand Stores, Onlineshop, Outlets und Franchise-Stores. CLOSED beschäftigt rund 330 Mitarbeitende in Deutschland, Hauptsitz bleibt Hamburg.
Flower Power

Bei den Männern liefern frühe Stoffarchive der Marke die Inspiration. Denim eröffnet die Saison, Chino rückt in den Mittelpunkt, leichtes Leinen prägt den Hochsommer – ergänzt um eine spielerische, von einem Blumenladen inspirierte Stimmung. Die Farbpalette reicht von kühlem Denimblau, Khaki und Rot über Sand, Off-White und Pastellblau bis zu Rosa, Gelb und Ecru. Schlüsselteile sind ein indigofarbener Leinen-Overall, geschichtete Denimjacken, gewaschene Herringbone-Fatigue-Hosen mit Feldjacke sowie die neue Chino-Passform Kodiak aus gewaschenem Baumwolltwill. Florale Akzente zeigen sich in einem bestickten Ecru-Hemd und laserbehandeltem Blumen-Denim, ein weißer Leinenanzug rundet den Sommerlook ab. Die Silhouetten werden insgesamt entspannter und gerader.



