KAPTEN & SON: Erlebnis statt Verkaufsraum

KAPTEN & SON

Schaufenster in die Zukunft des Retails: Der KAPTEN & SON Experience Store setzt auf Interaktion statt klassischem Verkauf. alle Bilder ©KAPTEN & SON

Autorin: Deniz Trosdorff

New Retail in Reinform: KAPTEN & SON bringt die Markenwelt physisch auf die Fläche. Durch das Zusammenspiel aus interaktiven Testing-Stationen und starker Brand Identity zeigt die Kölner Brand, wie modernes In-Store-Marketing heute funktionieren muss.

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Im Spätsommer steht der Mode- und Accessoire-Handel vor der Herausforderung, die Frequenz in den Innenstädten hochzuhalten. Wer hier noch auf ein klassisches Ware-gegen-Geld-Geschäft setzt, gerät gegenüber dem Bequemlichkeitsvorteil des E-Commerce ins Hintertreffen. Mit der Eröffnung ihres neuen Experience Stores am 25. Juli 2026 in der belebten Amsterdamer Kalverstraat setzt KAPTEN & SON ein klares Zeichen gegen diesen Trend: Auf rund 70 Quadratmetern ersetzt der neue Standort den bisherigen Store und verbindet modernes Store Design mit interaktiven Erlebnis-Stationen.

FASHION TODAY MEN sprach mit Tonio Kantorski, General Manager Retail Business & Expansion bei KAPTEN & SON, über den ROI von Erlebniselementen, die Verschmelzung von Online und Offline sowie das neue Anforderungsprofil an die Innenstadt.

„Unser Schritt in den stationären Handel ist keine Notwendigkeit, sondern eine bewusste strategische Entscheidung.“ Tonio Kantorski

FASHION TODAY MEN: Reines Verkaufen kann der Onlinehandel oft bequemer. Ihr neuer Store in Amsterdam stellt das aktive Ausprobieren und Erleben in den Mittelpunkt. Warum ist dieser Wandel vom Point of Sale zum „Point of Experience“ aus Ihrer Sicht der einzig zukunftsfähige Weg für den stationären Handel?
Tonio Kantorski: „Grundsätzlich geht es um Added Value. Menschen kaufen Erlebnisse, nicht nur Produkte. Kundinnen und Kunden kommen in einen Experience Store, weil sie etwas fühlen, ausprobieren und erleben wollen. Das schafft eine emotionale Bindung zur Marke, die kein digitaler Warenkorb ersetzen kann. Zudem sind Haptik und Vertrauen das entscheidende Differenzierungsmerkmal: Produkte wie Taschen, Rucksäcke oder Accessoires müssen gefühlt werden – Material, Verarbeitung und Passform. Dieses physische Erleben reduziert Kaufunsicherheiten direkt. Ein reiner Verkaufspunkt zieht schlicht keine Menschen mehr an; ein echter Experience Store wird dagegen zur Destination. Die Menschen kommen bewusst, bleiben länger und sprechen darüber.“

Magic Mirror

Ob Packing Table, Size Check oder Ambient Mirror: Ihre Touchpoints lösen reale Kundenbedürfnisse. Welches Feedback erhalten Sie auf der Fläche und was erweist sich als der größte Frequenz- und Conversion-Treiber?
„Die Kunden freuen sich ganz offensichtlich über alle Features und geben uns durchweg positives Feedback. Die Module werden deshalb so gut angenommen, weil sie durchdacht und unkompliziert sind und gleichzeitig einen echten Use Case erfüllen. In der Praxis erweisen sich der ‚Packing Table‘, an dem Taschen direkt gepackt werden, und der ‚Magic Mirror‘, der die sonst unsichtbare Rückenperspektive zeigt, als die meistgenutzten Experience Points.“

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In A-Lagen wie der Kalverstraat zählt betriebswirtschaftlich jeder Quadratmeter. Wie beweisen Sie Skeptikern im klassischen Einzelhandel, dass Erlebniselemente kein „verlorener Verkaufsraum“ sind?
„Die Verweildauer erhöht direkt die Kaufwahrscheinlichkeit. Unsere Touchpoints unterstützen aktiv den Verkaufsprozess. Eine höhere Bon-Größe entsteht durch emotionale Aktivierung: Ein Kunde, der einen Rucksack in seiner vollen Funktionalität erlebt hat, rechtfertigt den Preis deutlich leichter als jemand, der ihn nur an der Wand gesehen hat. Zudem ist der Store ein starkes Content-Element. ‚Instagrammable Moments‘ generieren organische Reichweite durch User Generated Content (UGC). Jeder Social-Media-Post aus dem Store ist ein digitaler Touchpoint mit enormem Multiplikatoreffekt, der Neukunden anzieht.“

Viele traditionelle Händler tun sich mit dem Wandel schwer. Inwiefern sieht sich KAPTEN & SON als Impulsgeber und Musterbeispiel für modernen Multichannel-Handel?
„KAPTEN & SON kommt ursprünglich aus dem E-Commerce und kennt beide Welten von innen. Unser Schritt in den stationären Handel ist keine Notwendigkeit, sondern eine bewusste strategische Entscheidung. Wir wissen genau, was online funktioniert, und nutzen den Store gezielt zur Stärkung des Markenerlebnisses. KAPTEN & SON muss sich gar nicht aktiv als Impulsgeber inszenieren; das Konzept tut es von selbst. Wer in einer der begehrtesten Retail-Lagen Europas beweist, dass Erlebnis mehr verkauft als reine Regalmeter, schreibt ein neues Kapitel im Handbuch des modernen Handels.“

Size Check

Wenn wir ein paar Jahre vorausblicken: Was muss ein Store künftig bieten, damit Menschen dafür noch liebend gerne in die Innenstädte kommen?
„Die Innenstadt der Zukunft gehört den Marken, die Menschen einen echten Grund geben zu kommen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Das erfordert:

  • Mehrwert über Ware hinaus: Events, Workshops, Kollaborationen und exklusive Launches
  • Hyper-Personalisierung & Nahtlose Phygital-Integration: die Verschmelzung von Online und Offline durch App-Integration, AI-Elemente und digitale Produktgeschichten
  • Community-Anker & Werte: Transparenz, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit räumlich erlebbar machen
  • Überraschung als Prinzip: Stores, die sich nicht verändern, werden nicht wieder besucht; wechselnde Installationen und Pop-ups halten die Fläche lebendig

Mit dem Experience-Konzept reagiert KAPTEN & SON auf den strukturellen Wandel im stationären Handel. Die Integration interaktiver Tools verwandelt die Verkaufsfläche von einem reinen Transaktionsort in eine funktionale Teststrecke. Für den Retail zeigt der Ansatz beispielhaft, wie Marken durch spürbaren Mehrwert vor Ort eine Brücke zwischen digitalem Markenauftritt und haptischem Einkaufserlebnis schlagen können.“

Einblicke

  • Einblick in den Store @KAPTEN & SON

Was ist ein KAPTEN & SON Experience Store?

Statt starrer Verkaufsfläche setzt KAPTEN & SON auf Ausprobieren: Interaktive Tools machen Passform, Füllmenge und Features direkt im Laden spürbar.

  • Packing Table: Rucksäcke mit Real-Gegenständen bepacken und Tragekomfort sowie Fächeraufteilung testen
  • Magic Mirror: digitaler Spiegel für den perfekten Blick auf die eigene Rückansicht mit Rucksack
  • Size Check: sofort prüfen, ob das Gepäckstück als Handgepäck bei Airlines durchgeht
  • Ambient Mirror: simuliert verschiedene Lichtverhältnisse (zum Beispiel Tages- oder Sonnenlicht) für den Brillentest