Mode-Industrie: Inlandsumsätze gehen zurück

Bild: Screenshot GermanFashion

Autor: Markus Oess

Gerd Oliver Seidensticker berichtet als Präsident des Industrie-Verbandes GermanFashion auch Positives über das zurückliegende Jahr 2016. Es gebe Licht und Schatten, sagt er. „Die deutsche Modeindustrie stand 2016 vor vielen Herausforderungen – national und international. Erfreulicherweise läuft der Exportmotor wieder. Die großen Verluste auf einst starken Märkten wie Russland konnten anderswo wettgemacht werden, so dass wir im Export ein leichtes Plus von 1,4 Prozent zu verzeichnen haben. Nach wie vor sind deutsche Modemarken aufgrund von Design und dem hohen Qualitätsstandard unserer Produkte sehr beliebt.“

 Seidensticker spricht auf der gemeinsamen Pressekonferenz des Gesamtverbandes textil+mode und GermanFashion im eigenen Showroom in der Düsseldorfer Halle 29. Doch das ist es auch schon an statistischem Sonnenschein für die deutsche Bekleidungsindustrie. Nach vorläufigen Schätzungen auf Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamtes hat der Branchenumsatz mit einem Volumen von 6,66 Milliarden Euro rund 3,8 Prozent verloren. Allerdings können die Zahlen nur als Trend herhalten, betont Thomas Rasch, Geschäftsführer von GermanFashion, da Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten nicht berücksichtig wurden. Eigene Erhebungen liegen noch nicht vor.

Schuld ist das maue Inlandsgeschäft, wo immer noch 60 Prozent der Erlöse reingeholt werden, wie Seidensticker betont. Rasch verweist in diesem Zusammenhang auf eine Meldung des Handelsverbandes BTE von heute, wonach die Inlandsumsätze im Modehandel im vergangenen Jahr gehalten wurden, aber preisaggressive Online-Anbieter und Billigketten wie Primark weitere Marktanteile dazu gewonnen haben. Und die kauften, erklärt Seidensticker den Abschwung, typischerweise nicht bei der deutschen Markenindustrie, sondern eben in Fernost.

Seidensticker appelliert an Handel und Industrie, sich intensiv mit neuen Vermarktungskonzepten zu beschäftigen, die den Verbraucher und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Und hier säßen Industrie und Handel in einem Boot. Als Beispiel nennt Seidensticker etwa die digitale Regalverlängerung oder ‚Ship from Store’. Der Verbraucher werde die Konsumwelt nach seinen Wünschen und Bedürfnissen ändern und wer da nicht mitziehe, in der Belanglosigkeit der Masse schwimme, werde über kurz oder lang verschwinden. Anderes lasse der immense Warendruck und Flächenüberhang gar nicht zu, an denen die Industrie mit der eigenen Retailexpansion mitschuldig sei. Und das Aus könnte noch viele Firmen aus Handel und Industrie treffen.

Der Gesamtumsatz der deutschen Textil- und Modeindustrie ist nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr mit 32 Milliarden Euro 2016 um insgesamt 0,2 Prozent im Vergleich zu 2015 angestiegen. Das Exportvolumen lag 2016 auf dem Rekordniveau von 26,6 Milliarden Euro.