Handelsverbände plädieren für Verschiebung der Saisons

Abwägung zwischen Liquidität und Rentabilität

Durch den Lockdon im stationären Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel fehlt diesen ein Verkaufszeitraum von wahrscheinlich sechs bis acht Wochen. Inzwischen werden in der Branche Vorschläge diskutiert, die Frühjahr/Sommer-Saison um rund sechs Wochen nach hinten zu verschieben. Dazu müssten unter anderem auch die Lieferungen von Herbstware später erfolgen, so dass mehr Zeit für den Verkauf von Sommerware bliebe. Die in diesem Zusammenhang geforderte, befristete Wiedereinführung eines gesetzlich vorgegebenen (späten) Schlussverkaufs ist nach Meinung der Handelsverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) allerdings politisch nicht durchsetzbar. Auch Appelle an die Branche, sich mit Preisaktionen zurückzuhalten, dürften die Solidarität unter den Handelsunternehmen und den direkt verkaufenden Markenlieferanten überstrapazieren, „zumal sich etliche Unternehmen nach dem Ende des Shutdowns erst einmal Liquidität verschaffen wollen oder müssen“, schätzen die Verbände in einer gemeinsamen Mitteilung. Allerdings sollten Händler mit Bedacht die Prioritäten zwischen Liquidität und Rentabilität abwägen.

Die Verbände plädieren dafür, die Verkaufssaison Frühjahr/Sommer (F/S) zu strecken und die Wareneingangstermine für Herbst/Winter (H/W) in Abstimmung mit den Lieferanten nach hinten zu schieben. In der Folge müssten auch die bereits geplanten Marketingmaßnahmen für H/W zeitlich angepasst werden. Zudem mahnen die Verbände den Rotstift F/S „sehr gezielt und differenziert einsetzen“. Wer heute Gutscheine für den Einkauf nach Wiedereröffnung verkaufe, habe für spätere Kundenfrequenz gesorgt und vermutlich weniger Druck, dann größere Rabatte gewähren zu müssen. Gerade bei Verträgen mit Rücksendeoptionen sollte genau geprüft werden, welche Ware noch verkäuflich ist und welche nicht. Nur unkurante Ware sollte früh retourniert werden, aber „hochaktuelle Ware“ schnell in den Verkauf kommen. Die Händler sollte in jedem Fall „mit den Lieferanten über ‚Warenspülungen‘ sprechen“. Wenig modische F/S-Artikel könnten gegebenenfalls auch eingelagert und zu einem späteren Zeitpunkt (2021) wieder in den Verkauf geben.

„Der Schlüssel für ein vernünftiges saisonales Prozedere liegt auch bei den Lieferanten und deren Unterstützung ihrer Handelspartner. Allerdings sind die Geschäftsmodelle und Lieferrhythmen der Markenanbieter sehr unterschiedlich und bedürfen daher einer differenzierten Betrachtung. Laut einem aktuellen Analyse- und Thesenpapier des BTE-KompetenzPartners hachmeister+partner ist in diesem Zusammenhang das derzeit größte Problem die saisonal nicht mehr aktuelle und damit kaum mehr verkäufliche Ware aus den frühen Lieferterminen. Diese Ware sollte ausgetauscht werden gegen aktuelle Ware oder adäquat vermarktet werden“, fordern die Verbände weiter.

Zur Wiedereröffnung brauche der Handel top-aktuelle Ware, die konkurrenzfähig ist mit den Angeboten der Onliner und vertikalen Filialisten. Jeder Händler brauche dazu individuelle Leitlinien pro Lieferant/Geschäftsmodell. Kernfrage sei, wie der Schaden partnerschaftlich in Grenzen gehalten werden kann. Markenhersteller würden nur überleben, wenn auch die vielen kleinen und mittelgroßen Einzelhandelsunternehmen überlebten. Umgekehrt sei der Handel auf ein vielfältiges und leistungsfähiges Markenangebot angewiesen. Der BTE KompetenzPartner hachmeister+partner arbeitet in Abstimmung mit BTE, BDSE und BLE an Handlungsempfehlungen. Unterdessen sollten ausreichend KfW-Kredite beantragt werden, um den Liquiditätsdruck und damit der Zwang zu unnötigen Preisaktionen in der verbleibenden Sommersaison abzufedern, die vor allem vor dem Hintergrund, dass inzwischen die Kredite staatlich zu 100 Prozent abgesichert seien, wenn bestimmte Vorrausetzungen erfüllt seien.