Von Wölfen und der Stadt

Markus Oess ©FT

Rom, so will es die Sage, wurde von Romulus gegründet. Dieser tötete seinen Bruder Remus, nachdem er sich über die von Romulus errichtete Stadtmauer lustig machte. Die Zwillinge, so will es die Sage weiter, waren Kinder des Gottes Mars und der Vestalin Rhea Silvia. Sie wurden auf dem Tiber ausgesetzt, von einer Wölfin gesäugt und später von dem Hirten Faustulus aufgezogen. Homo homini lupus.

Der Mensch ist des Menschen Wolf. Wir gewöhnen uns erstaunlich schnell an die Dinge, die unser Leben prägen. So auch an den Krieg und seine schrecklichen Folgen. Der Ukraine-Krieg wird leider nicht schnell vorüber sein und wir können uns darauf einstellen, dass Bomben, Tod und Leid auch weiterhin unseren (medialen) Alltag begleiten werden. Und wenn tatsächlich in der Zukunft die Waffen ruhen, wird die Welt wieder eine andere sein, als wir sie bisher kannten. Ist das so? Wir sollten nicht vergessen, dass die Ukraine nicht der einzige Ort in dieser Welt ist, der von Krieg und Leid heimgesucht wird. Es spielt keine Rolle, wo die Menschen leben, ob und wenn, welcher Religion sie anhängen, welche Hautfarbe sie haben, welches Geschlecht oder wie sie sich selbst definieren. Krieg ist mitnichten bloß die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, Krieg bedeutet Tod und Vernichtung – von Menschen gemacht. Die Welt hat sich nicht geändert, nur der Ort des Geschehens wechselt: Korea, Vietnam, Ex-Jugoslawien, Irak, Syrien, Jemen, Afghanistan oder die Ukraine. Die Liste lässt sich fortsetzen. Nicht Russland oder Putin sind unser Feind, es sind der Mensch und sein offenbar unstillbarer Hunger nach Macht und Reichtum – und die Ablehnung von allem Fremden, ein Handlungsschema, das leider immer noch greift.

FT ist kein Politmagazin und selbst wenn, müssten wir auch dann andere Themen anschneiden. Wir haben uns diesmal dem Schwerpunktthema Urban Lifestyle zugewandt. Wie sieht das städtische Leben in der nahen Zukunft aus und was bedeutet das für die Mode? Der Zukunftsforscher Tristan Horx zeichnet ein Bild, das gar nicht so pessimistisch ist, wie es die aktuellen Fundamentaldaten vermuten ließen. Im Gegenteil, eine Portion Vertrauen in die Zukunft wäre durchaus angebracht. Es geht dabei auch um eine neue Mobilität, die ebenso an die Funktion von Mode neue Ansprüche stellt. Wir haben uns auch mit den Fairkaufhäusern von CASH & RAUS in Düsseldorf des katholischen Trägers SKM beschäftigt und mit Betriebsleiter Dominic Hötger und Filialleiterin Nicole Ismail gesprochen. Denn natürlich geht es nicht um die Klamotte selbst, sondern einen möglichen Start in ein selbstbestimmtes Leben. Außerdem zeigen wir die für uns Top 5 Concept Stores. Sie reflektieren auf besondere Weise den aktuellen Zeitgeist, wobei jeder Laden unterschiedliche Schwerpunkte setzt. Und dabei geht es nicht nur um Mode. Wir haben an der Basis gefragt und mit Petra Pfündlin, Product Manager beim Bike-Accessoire-Spezialisten PAUL & PREDIGER, über das aktuelle Geschäft gesprochen.

Wir schauen auch nach Italien und berichten über die jüngste Ausgabe der Schuhmesse MICAM. Wie ist es diesmal in Mailand gelaufen, wo die Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der internationalen Wirtschaft durch den Ukraine-Krieg wieder einen Rückschlag hinnehmen müssen? Wir haben einen Anbieter besucht, der High Heels für alle produziert. Auch das ist ein Statement urbanen Lebensstils. Wir blicken auf die 75-jährige Geschichte der bugatti Holding und sprechen mit Klaus Brinkmann und seinem Sohn Julius über bewegende Momente, Glücksgriffe und natürlich auch über die Zukunft, wenn der Generationenwechsel abgeschlossen ist. Auch das ist ein Signal der Zuversicht. Und wir haben unseren monatlichen Plattentipp mit unserem neuen Kooperationspartner beats international, Berlin, wieder aufgegriffen. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen sollten wir auch Raum und Zeit haben für die schönen Dinge des Lebens.

Ihr
Markus Oess