Gleich für alle, passend für wen?

KOMMENTAR

Tays Jennifer Köper-Kelemen

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

Unisex Mode ist längst über ein Nischendasein hinausgewachsen. Nicht zuletzt die Generation Z, feministische Initiativen, die Szene rund um LGBTQ+ sowie Bewegungen um Body Positivity zur Befreiung von Körperidealen haben dazu geführt, dass genderfluide Looks auf breiterer Ebene Anklang finden. Es sind nicht nur spezifizierte Independent Labels, die die Kategorie bedienen. Auch große Filialisten und Onlineshops sind auf den Zug aufgesprungen und bieten entsprechende Kollektionen in ihrem Sortiment an. Die Bandbreite reicht von Bekleidung über Accessoires bis hin zu Düften.

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Doch auch wenn die Grundidee und Entwicklungen um mehr Geschlechtsneutralität – und darüber Gleichberechtigung – positiv zu werten sind, so gibt es doch ein grundlegendes Paradox: Unisex Mode will Normen sprengen und schafft gleichzeitig auch schon wieder neue Standards. Sie will über Geschlechtergrenzen hinweg für alle Menschen gedacht sein. Deshalb ist sie leider aber nicht gleichzeitig auch für alle Menschen gemacht. Stichwort Sizing. Fakt ist, dass es körperliche, biologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Gerade in Bezug auf Frauenkörper: Wird eine Vereinheitlichung von Passformen Body Positivity, einer Befreiung von Körperidealen, wirklich gerecht? Oder passiert hier nicht vielmehr das Gegenteil? Die Schnitte orientieren sich nicht selten an Herrenkonfektionen, sie fallen gerade, kastig und oversized aus. Schlanke, androgyne Körperformen passen sich da gut ein. Doch was ist mit großen Oberweiten und Rundungen, zierlichen Konturen, individuellen Maßen? Und was ist aufseiten der Männer mit großen, breitschultrigen oder betont trainierten Körpertypen? Ist es richtig, sämtliche Eigenarten von Körpern zugunsten einer übergreifenden Vereinheitlichung einfach zu ignorieren, komplett auszublenden?

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Unisex Mode ist eine Herausforderung. Vielleicht liegt der Kniff darin, einheitliche Mode in sehr bewusster Rücksicht auf Individualität zu schaffen und dabei ganz konkret den Blick für einzelne Bekleidungsstücke und ihre Anforderungen an Passform zu schärfen. Auch bieten dehnbare, hochwertige Materialien einen wichtigen Lösungsansatz. Modulare Designs können über ihre ausgeklügelten, veränderbaren Looks dazu beitragen, mehr Flexibilität und persönliche Freiheit umzusetzen. Denn: Echte Gleichberechtigung bedeutet am Ende nicht, dass alle das Gleiche tragen. Sie bedeutet wohl vielmehr, dass allen das Gleiche passt.