Steigende Steuern, sinkende Kauflaune: Was 21 Prozent Mehrwertsteuer für den Modehandel bedeuten könnten.
Die aktuelle Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent trifft den Einzelhandel in einem sensiblen Moment. Zwischen verhaltener Konsumstimmung, steigenden Kosten und strukturellem Wandel wirkt selbst eine moderate Anpassung wie ein spürbarer Eingriff. Gerade im Modehandel zeigt sich, wie sensibel Preise wahrgenommen werden. Kleidung ist verzichtbar und damit oft das Erste, woran gespart wird. Kaufentscheidungen werden bewusster, spontaner Konsum seltener.
Konsum unter Druck

Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die Branche ohnehin unter Druck. Für 2026 prognostiziert der Verband nur ein schwaches Wachstum, während viele Verbraucher ihre Ausgaben gezielt reduzieren. Entsprechend deutlich fällt die Kritik aus: „In der aktuellen konjunkturellen Lage ist eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wirtschaftspolitischer Irrsinn!“, so HDE-Präsident Alexander von Preen. Schon die Debatte selbst wirke dämpfend auf die Kauflaune.
Auch der Bundesverband des Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels (BTE) warnt vor den Folgen. „Der bereits über Gebühr belastete Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandel muss endlich wieder atmen können. Auch die Angst unter den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor immer weniger Geld im Portemonnaie ist real und führt dazu, dass viele Menschen selbst notwendige Anschaffungen zurückstellen. Es braucht von der Politik jetzt konstruktive Vorschläge statt nicht zu Ende gedachter Ideen und parteipolitischer Spielchen“, betont Präsident Mark Rauschen. Die Entwicklung im stationären Handel unterstreicht diese Einschätzung. Tausende Geschäfte schließen jedes Jahr, Innenstädte verlieren an Frequenz, während sich Konsum zunehmend ins Digitale verlagert. Eine höhere Mehrwertsteuer würde diesen Prozess kaum auslösen, könnte ihn jedoch beschleunigen.
Zwischen Theorie und Realität
Gleichzeitig steht hinter der Maßnahme eine wirtschaftspolitische Idee: Konsum stärker zu besteuern, um an anderer Stelle zu entlasten. In der Theorie kann das Investitionen fördern und staatliche Spielräume erweitern. In der Praxis stellt sich jedoch die Frage nach dem Timing. Denn viele Unternehmen befinden sich bereits in einer Phase der Neuorientierung. Steigender Druck kann Anpassungen anstoßen: klarere Sortimente, effizientere Prozesse, neue Konzepte. Doch solche Veränderungen brauchen Zeit. Was bleibt, ist ein Spannungsfeld zwischen langfristiger Logik und kurzfristiger Realität. Für den Modehandel bedeutet die Debatte vor allem eines: zusätzliche Unsicherheit. Oder anders gesagt: Eine Maßnahme, die auf Stabilität zielt, trifft auf eine Branche, die sie gerade erst wieder sucht.
Debatte um die Mehrwertsteuer

Aktuell wird in der Bundespolitik darüber diskutiert, den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 auf 21 Prozent anzuheben. Konkrete Beschlüsse gibt es bislang nicht, die Überlegung ist Teil einer breiteren wirtschaftspolitischen Debatte. Impulse dafür kommen vor allem aus wirtschaftswissenschaftlichen Kreisen. Dahinter steht die Idee, staatliche Einnahmen zu erhöhen und im Gegenzug andere Steuerarten, etwa die Einkommensteuer, zu entlasten. Ziel dieses Ansatzes ist es, die Steuerlast stärker auf den Konsum zu verlagern, um Anreize für Arbeit und Investitionen zu schaffen. Gleichzeitig könnten durch eine Erhöhung zusätzliche Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr generiert werden. Kritik kommt insbesondere aus dem Handel. Verbände wie HDE und BTE warnen davor, dass steigende Preise die Kauflaune weiter dämpfen und sich negativ auf den Konsum auswirken könnten – mit spürbaren Folgen vor allem für den Modehandel. Ob und wann eine solche Maßnahme tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit offen. Klar ist jedoch, dass die Diskussion im Kontext der Haushalts- und Steuerpolitik weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.


