Woran bemisst sich eigentlich unternehmerischer Erfolg? Umsatzplus, Gewinnmaximierung, Langfristigkeit, Nachhaltigkeit? Klar – wenn die Kennzahlen nicht stimmen, ist es eh Essig mit dem Geschäft. Nur: Wie viel Gewinn darf es denn sein und reduziert sich der Begriff auf die möglichst große Geldeinheit pro Periode? Nachhaltig sollte das Geschäftsmodell auch funktionieren. Schließlich will der Mensch, egal ob Unternehmer oder Angestellter, möglichst lang etwas von seiner Arbeit haben. Aber darüber hinaus? Fragen nach Partnerschaft, Verantwortung, Gemeinsamkeit, Zukunft und Stärke müssen genauso beantwortet werden. Auch wenn sie auf den ersten Blick weniger wichtig scheinen, sind sie entscheidend für den Erfolg – und dafür, wie man ihn bewertet. Warum dieser Gedanke? Jede Saison aufs Neue werden Forderungen nach Nachhaltigkeit, Kreativität, Partnerschaft, Zusammenhalt und gemeinsamer Verantwortung bemüht. Und bei aller Floskelhaftigkeit dieser Forderungen ist da natürlich etwas dran.
Wenn IGEDO-Chefin Ulrike Kähler für ihr Messegeschäft generell wieder nach mehr Verbindlichkeit und Solidarität ruft, hat das seinen Grund. Denn ohne die verbindliche Teilnahme von Marken an Messen bringen diese Plattformen herzlich wenig. Bleiben die Fachbesucher aus, gilt das genauso. Verbindlichkeit heißt für alle – Handel, Industrie, Messen und alle übrigen Marktakteure –, sich an Absprachen zu halten und das Gegenüber positiv in Planungen einzubinden, um Sicherheit im Markt zu schaffen. Gelingt das, ist auch das ein messbarer Erfolg.
Zum Saisonstart fragen wir Raimar Bradt, Gründer und Inhaber des Kultladens eRBe, wie viel Bauchgefühl eine gute Order verträgt. Zu weniger Bauchgefühl rät hingegen Marc Unterbrink, Partner und Gesellschafter bei der Unternehmensberatung hachmeister + partner. Im Gespräch mit FASHION TODAY MEN erklärt er, welche konkreten Vorteile Marketing-Tools wie das Kunden-Analyse-Portal (KAP) bieten.
Auf der Industrieseite ist zum Orderauftakt Bewegung in einer Vielzahl von Modemarken zu spüren. Wir haben nachgefragt. Nach dem Start der Strategie „Elevate the Core“ im zurückliegenden Jahr zieht Louis Bezner, Geschäftsführer von MAERZ Muenchen, Zwischenbilanz. Director Brand & Product Marco Sänger spricht über die drei Phasen Beginning, Transformation und Balance sowie über Nordic Tailoring als Haltung. Nach einem Jahr unter der Führung von Thomas Jaeger hat DRESSLER seine Kernkompetenzen im Sakko- und Anzugbereich gestärkt und neue Produktgruppen wie Outerwear und Leder integriert. Jaeger und Jens Hohmann, Head of International Sales, erklären, wie DRESSLER sich von der italienischen Konkurrenz abgrenzt. TOM RIPLEY bleibt in einem schwierigen Marktumfeld auf Wachstumskurs. Nach Angaben von Geschäftsführer Wolfgang Müller liegt die Marke aktuell rund 10 Prozent über Vorjahr. Wir haben mit Müller gesprochen.
Kommt die Sprache auf chinesische Onlineplattformen wie TEMU oder SHEIN, ist es vorbei mit den ruhigen Tönen – die Aussagen fallen meist etwas schriller aus. Ab dem 1. Juli steht Alien Mulyk an der Spitze des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. Wie schaffen wir faire Wettbewerbsbedingungen im Onlinehandel? Zentral sei die Stärkung der Aufsichtsbehörden durch die Politik, sagt Mulyk. Aber auch weniger bekannte Shops zeigen, wie weit China weg sein kann, wenn das Objekt der Begierde in der Versandbox nicht hält, was es digital verspricht. Wir haben einen Fall näher beleuchtet.
Wem nicht nach Branche und Branchengeflüster ist, dem seien unser Musiktipp und der Beitrag von Marton Liszka empfohlen. Diesmal beleuchtet er, warum Warten früher ein Zustand war – und heute ein technischer Fehler ist.
Ihnen eine erfolgreiche Orderrunde!
Ihr
Markus Oess


