Und sie dreht sich doch

Markus Oess ©FT

Deutschland darbt und kommt nicht vom Fleck. Die Wachstumsimpulse bleiben aus und die Bundesregierung glänzt durch einen Richtungsstreit. Ich will hier gar nicht über das politische Tableau urteilen, obwohl ich speziell in Sachen Wirtschaftskompetenz und Eignung viele Fragezeichen machen muss. Sei es drum. Und während sich die Bundesregierung beim Notfallpaket mit homöopathischen Dosen und vagen Ankündigungen begnügt, schwelt ein gefährlicher Richtungsstreit zwischen Neoliberalen und handgebremster sozialer Marktwirtschaft. Wer von dieser Bundesregierung einen konkreten Fahrplan aus der Krise erwartet hat, dürfte schwer enttäuscht sein. Es ist schon bezeichnend, dass Dr. Daniel Terberger etwa sinngemäß sagt, besser nichts als alles schlecht machen. Und er ist mit seiner Kritik nicht allein.

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Einer der führenden Ökonomen dieses Landes, Professor Heiner Flassbeck, sagt, das Land sei in einem ideologischen Korsett gefangen. Nach dem Credo der Neoliberalen solle sich der Staat bitte aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushalten und die Marktkräfte wirken lassen. Jedoch führe die Verteufelung von Staatsschulden nicht in eine Sackgasse, sondern zum Abgrund, so der renommierte Volkswirt. Nun muss nicht jeder, der das Interview liest, gleich zum Keynesianer werden, aber wünschenswert wäre es schon, finde ich, sich zumindest auf einen Perspektivwechsel einzulassen und zuzuhören, wenn lange propagiere Weltbilder einfach nicht funktionieren. Und nebenbei, wie Marktkräfte gerade wirken, lässt sich sehr anschaulich an den Mineralölkonzernen ablesen.

Die Mehrwertsteuer zu erhöhen, ist eben auch nicht das Mittel der Wahl, trifft die Ausgabensteuer doch gerade die Haushalte, die mangels Masse einen hohen Anteil ihres Einkommens verkonsumieren (müssen), und nicht Menschen, die so viel verdienen, dass sie problemlos Vermögen beiseitelegen und anhäufen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer dürfte den eh schon schwachen Konsum weiter ausbremsen. Die Kauflaune der Deutschen ist ziemlich lustlos.

Wir berichten aber auch Positives – natürlich. Daniela Drabert, Geschäftsführende Gesellschafterin von HAGEMEYER, Petra Hinz, Einkaufschefin, Tristan Bolwin, Brand Director BENVENUTO., und Christoph Sangmeister, Vertriebschef BENVENUTO., über Partnerschaft, die neue Fläche bei HAGEMEYER, Zielgruppen und warum Fairness im Modehandel kein Luxus ist: Mode ist ein strategisches Handlungsfeld.“ Wir haben mit Armelle Duvieusart, Community & Impact Lead bei B Lab Germany, gesprochen, die Nachhaltigkeit als einen ganzheitlichen Ansatz interpretieren und so Unternehmen auf ein neues Niveau heben wollen. Jetzt soll das Netzwerk auch in Deutschland ausgebaut werden.

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Auf Werte schauen auch Marton Liszka und sein Partner Raphael Shklarek. In ihrem Booklet beleuchten die beiden Werte, ihre Bedeutung und ob sie Bestand haben. Und wir haben mit einem ganz besonderen Menschen gesprochen: Eddie Ndopu wurde in Namibia geboren und im Alter von zwei Jahren mit der neuromuskulären Erkrankung Spinale Muskelatrophie diagnostiziert. Inzwischen ist er 35 Jahre alt und lebt heute als Autor, Menschenrechtsaktivist, Gründer einer Medienplattform und erklärter Fashionista in New York. Er erzählt uns, warum sich Mode für ihn wie eine Berufung anfühlt und das TIME Magazine ihn als „one of the most powerful disabled people on the planet“ bezeichnet. Hier fällt mir ein Zitat ein, das Galileo Galilei zugeschrieben wird. Der Legende nach soll er diesen Satz nach seiner Verurteilung durch die Inquisition 1633 gemurmelt haben, als er gezwungen wurde, seine heliozentrische Lehre zu widerrufen. Historisch ist die Authentizität dieses Zitats zwar umstritten. Aber es steht sinnbildlich für Klarheit und auch für einen gewissen Optimismus, dass sich die Wahrheit am Ende durchsetzt. In der Welt von heute nicht das Schlechteste: „Und sie dreht sich doch!“

Ihr

Markus Oess